Leseprobe: Im Rennpass ins Glück

Es muss ja nicht immer was Erotisches sein!!!

 

 

Kapitel 1 – Gestüt Eichenhof

 

 

Svenja saß vor dem Kamin in ihrem Zimmer und sah auf das Bild in ihrer Hand. Wie lange war es her, seit sie dieses Bild von ihm gemacht hatte? Damals auf einem Hof in Deutschland? Sie rechnete nach und kam auf 68 Jahre. Und er war jetzt schon 10 Jahre tot. Kein Tag verging an dem Svenja nicht an ihn dachte, ihre große Liebe, Geiry. Es klopfte und ein blonder Wuschelkopf kam durch die Tür.

„Amma, was tust du nur hier drinnen bei dem schönen Wetter?“ fragte das Mädchen, welches Svenja an ihre eigene Jugend erinnerte.

„Ich hab ein wenig nachgedacht und mich ausgeruht, elskan“, antwortete Svenja lächelnd. Das junge Mädchen kam näher und spähte auf das Bild in den Händen ihrer Oma. Dann nickte sie verstehend. Sie setzte sich zu Svenjas Füßen einfach auf den Boden und sah sie einen Moment an. „Sag mal wie war das eigentlich damals mit dir und Afi in Deutschland?“

Svenja lächelte, daran konnte sie sich noch erinnern als wäre es gestern gewesen. „Willst du nicht lieber ausreiten, Jördis?“ Svenja strich ihrer Enkelin über den Kopf.

„Nein, ich möchte es jetzt wissen, erzählst du es mir?“ fragte sie.

Svenja konnte sie verstehen, Jördis war in einem Alter in dem man sich für Jungs und Liebe interessierte und sie witterte eine Liebesgeschichte.

„Ok, dann werde ich es dir erzählen………“

 

 

 

„Endlich“, dachte Svenja, “ jetzt habe ich den Führerschein und kann wieder regelmäßig Reitstunden nehmen. So bin ich nicht mehr auf die Ferienhöfe angewiesen.“ Sie hatte sich extra nichts für das Wochenende vorgenommen, um sich die verschiedenen Reitschulen in ihrer Umgebung anzusehen. Zuerst wollte sie sich den Islandpferdehof im Nachbarort ansehen. Sie hatte schon so viel über Isländer gehört, aber bisher leider noch keinen geritten. Svenja hoffte nur, dass ihr Taschengeld auch reichen würde. Aber vielleicht konnte sie sich ihre Reitstunden ja auch verdienen. Sie bremste den kleinen Jeep ab und setzte den Blinker. Noch ca. 500 Meter, dann  musste sie wieder abbiegen und dann war sie da. Sie konnte schon die Reklame an der Strasse sehen. Dann bog sie auf einen Schotterweg ein, der leider sehr viele Schlaglöcher hatte. Svenja wurde so durchgeschüttelt, dass sie keine Zeit hatte sich umzusehen. Dann endlich konnte sie den Wagen vor der Reithalle parken. Sie stieg aus und sah sich erst mal um. Ein paar Meter neben ihrem Parkplatz war eine Steintreppe, die zu einer Wirtschaft führte. Direkt neben der Treppe war der Eingang zum Stall. Svenja drehte sich um, um sich den Außenplatz anzusehen. Neben dem Schotterweg war ein kleines Dressurviereck, das aber scheinbar nicht sehr oft benutzt wurde, da das Gras an manchen Stellen schon durch den Sand wuchs. Neben diesem Viereck war eine Ovalbahn. Svenja hatte davon gehört, dass auf diesen Bahnen Töltprüfungen abgehalten wurden. Sie selbst war noch nie im Tölt geritten, doch eine Bekannte hatte ihr davon vorgeschwärmt. Die Ovalbahn war geschottert und gewalzt. Rund um die Bahn lief ein weißer Zaun. Es sah sehr gepflegt aus, obwohl das restliche Gelände dringend gemäht werden musste. Soweit Svenja wusste, waren die neuen Besitzer vom Eichenhof erst vor ein paar Monaten eingezogen. Neugierig ging sie zur Stalltür. Erfreut stellte sie fest, dass hier keine der üblichen Verbotsschilder hingen. Zögernd ging sie hinein. Neben der Eingangstür war eine weitere Tür, die offenbar in eine Sattelkammer führte. Svenja sah sich die Pferde an. Sie bemerkte einen Schimmel, der zierlicher als alle anderen war. Sie sprach leise auf ihn ein, doch er schnaubte ängstlich und zog sich in die hinterste Ecke der Box zurück.

„Da wirst du kein Glück haben. Wenn Kraki mehr als eine Woche gestanden hat, dann denkt er er wäre wieder ein Wildpferd“, hörte Svenja eine Stimme hinter sich.

Sie wurde rot und drehte sich um. „Tut mir leid, ich konnte nicht widerstehen“, sagte sie verlegen.

Fragend sah die andere Frau sie an. „Ich bin mir sicher, dass ich dich jetzt nicht verstanden habe. Wovon sprichst du?“ fragte sie.

„Na ja, dass ich einfach in den Stall gegangen bin.“

Die andere lachte. „Aber warum denn nicht. Wenn du dir die Pferde ansehen willst, dann musst du ja in den Stall kommen.“ Sie hatte eine Gerte in der Hand und deutete auf den anderen Eingang. „Wenn du möchtest dann zeige ich dir den Rest vom Gestüt, aber erst muss ich die Reitstunde beenden.“

Svenja nickte. „Gerne, wenn ich dich nicht störe.“

„Nein, komm ruhig mit. Meistens ist es lustiger wenn man Gesellschaft hat.“

Sie verließen den Stall durch den Hinterausgang, der in einen Hof führte. Hier waren die Außenboxen. Diese Boxen waren in Hufeisenform an die Reithalle gebaut worden. An der rechten Seite zwischen der dritten und vierten Box war der Eingang zur Reithalle, auf den jetzt die Frau zusteuerte.

Svenja blieb am Eingang der Halle stehen. Sie wollte nicht stören.

„Komm schon, du kannst dich ruhig zu mir in die Halle stellen. Heute habe ich nur Anfänger hier, die du bestimmt nicht störst.“

Svenja nickte erfreut und stellte sich zu der anderen Frau in die Halle.

„Ich heiße übrigens Monique. Und du?“

„Svenja.“ Sie lächelte schüchtern.

„Bist du Anfänger oder kannst du schon reiten?“ fragte Monique.

„Ich habe auf verschiedenen Reiterhöfen reiten gelernt. Allerdings habe ich noch nie auf einem Isländer gesessen.“

Monique lachte. „Dann bist du kein Schüler für mich. Ich übernehme nur die Anfänger. Aber unsere Jungs sind schon gut. Leider kannst du im Moment keinen kennen lernen. Sie sind alle auf einem Turnier, außer Ásta. Sie ist oben und macht die Kneipe. „

Svenja sah enttäuscht auf die Frau neben ihr. „Das ist Schade, ich wollte mich an diesem Wochenende für eine Reitschule entscheiden.“

Monique lachte wieder. „Kein Problem, du kannst ja eine Probestunde bei Ásta ausmachen. Morgen kommt unser Bereiter Höskuldur schon wieder. Vielleicht lässt er sich breitschlagen und reitet mit dir.“ Monique sah wieder auf ihre Schüler und rief: „Martin, lass die Zügel länger, sonst geht Reynir dir noch durch. Conny denk an deine Beine und setz dich mehr in den Sattel.“

Sie drehte sich wieder zu Svenja. „Wo waren wir? Ach ja bei unserem Bereiter.“

„Euer Bereiter gibt auch Unterricht?“ fragte Svenja.

Monique schüttelte den Kopf. „Nein, nur wenn es sich nicht vermeiden lässt. Aber manchmal nimmt er den einen oder anderen mit auf einen Ausritt. Er ist wirklich in Ordnung. Aber um Unterricht zu geben, müsste er mal ernst bleiben und das kann er sehr schlecht.“ Monique sah auf die Uhr. „So das reicht für heute. Ásta will gleich noch weg und dann muss ich geduscht haben und die Kneipe übernehmen. Ach ja füttern wäre nicht schlecht.“

Sie lachte wieder und rief den Leuten zu, die Pferde trocken zu reiten.

Sie verließen die Halle und Svenja sah sich noch mal um. Rechts von ihr war ein Durchgang und man konnte auf zwei Paddocks sehen. Direkt vor ihr war eine Anbindestange und dahinter die restlichen Außenboxen.

Monique folgte ihrem Blick. „Hinter den Boxen da, ist noch ein Paddock, da stehen unsere Schulpferde gewöhnlich. Wenn sie nicht auf der Weide sind.“

„Ist es nicht sehr umständlich die Pferde erst jedes Mal von der Weide oder aus dem Paddock fangen zu müssen?“ fragte Svenja und blickte bedeutungsvoll auf die riesigen Weiden, die jetzt sichtbar wurden.

„Das schon, aber unsere Pferde sind es so gewohnt und sie kommen alle aus Island. Man kann sie nicht einfach so einsperren.“

Monique sah Svenja von der Seite an. „Schon mal was von argerechter Haltung gehört?“ fragte sie etwas spitz.

Svenja nickte. „Du hast Recht, aber hier findet man das nicht so oft.“

Monique wurde ungeduldig. „Ich würde dich ja gerne noch rumführen, aber die Zeit drängt.“

Svenja nickte. „Ich helfe dir beim Füttern, wenn du willst.“

Monique sagte erfreut zu. „Das lass ich mir nicht zweimal sagen.“

Sie holte aus einem Abstellraum die Futtereimer und füllte sie an der Haferkiste, die am hinteren Stalleingang stand.

„Du kannst ruhig in jede Box gehen. Unsere Pferde sind umgänglich. Pass nur auf, dass sie dir nicht abhauen.“

Svenja nickte und schnappte sich einen Schwung Eimer. Damit ging sie zu den Außenboxen und füllte die Futterkrippen. Als sie damit fertig war, kam ihr Monique schon mit einer Schubkarre voll Heu entgegen.

„So, das hier noch und dann sind wir fertig.“

Sie verteilten das Heu und Monique kontrollierte noch mal, ob die Schulpferde trocken und abgesattelt waren.

„Wenn du Lust und Zeit hast, dann würde ich dich gerne auf ne Cola einladen.“

Svenja nickte. „Gerne.“

Sie stiegen die Treppe hoch, nachdem Monique den Stall abgeschlossen hatte. Im Flur kam sie an einer Tür vorbei, auf der Büro stand. Dann folgte eine Tür mit der Aufschrift Privat und dann kam auch schon die Kneipentür.

„Ich gehe schnell duschen. Sag Ásta sie soll die Cola auf meinen Deckel schreiben. Und mit ihr kannst du auch wegen der Reitstunde reden.“

Svenja nickte und betrat den Gastraum. Er war in dunklem Holz gehalten und machte einen gemütlichen Eindruck. Am größten Tisch, hatten sich einige Jugendliche aus dem Ort versammelt. Einige davon kannte Svenja. Sie begrüßte sie freundlich und ging dann an die Theke.

„Ich suche nach Ásta“, sagte sie zu der Frau hinter dem Tresen.

„Ich bin Ásta.“ Die Frau sah sie freundlich an.

„Ich möchte eine Reitstunde nehmen. Monique sagte, ich solle mit ihnen reden. Eventuell würde der Bereiter mich morgen mit auf einen Ausritt nehmen.“ Svenja schluckte. Sie war so aufgeregt.

Ásta nickte. „Ich werde Höski morgen früh Bescheid sagen. Er nimmt dich mit, wenn ich es ihm sage.“

Svenja bemerkte, dass diese Frau sie einfach duzte. Sie fand es etwas merkwürdig. Aber Monique hatte sie ja auch einfach geduzt.

„Toll, aber was ist, wenn er morgen nicht ausreiten will?“ fragte Svenja unsicher.

Ásta lachte. „Höski will immer. Nur keine Angst.“ Sie sprach mit einem starken nordischen Akzent.

„Könnte ich bitte eine Cola bekommen?“ fragte Svenja, um ihre Unsicherheit zu verbergen.

Ásta nickte und stellte das Getränk vor Svenja hin. Grade als sie einen Strich auf den Deckel machen wollte, kam Monique dazu.

„Nein, das geht auf mich“, rief sie.

Ásta nickte und sah Monique an. „Ég vill fara nú“, bemerkte sie.

Monique stellte sich hinter die Theke. „Okay, bless.“

Ásta nickte Svenja noch mal zu und war dann verschwunden.

„Sag mal, was war das denn für eine Sprache“, fragte Svenja verwundert, als Ásta außer Sicht war.

Monique lachte. „Du hast keine Ahnung, oder? Das war isländisch. Die Besitzer vom Eichenhof sind Isländer. Ich sollte besser sagen die Pächter.“

Svenja lachte. „Ich habe noch so eine blöde Frage.“

Monique sah sie abwartend an.

„Jeder redet mich hier mit DU an. Ist das normal?“

„Die Isländer kennen kein Sie. Du kannst uns ruhig auch alle duzen. Aber ich sehe schon, du hast eine Reitschule erwartet, die von der Kavallerie regiert wird.“

„Ich kenne keine anderen. Läuft es hier denn anders?“

„Ganz anders. Hier gibt es keinen Befehlston und die Sache läuft viel lockerer ab. Die meisten Leute wollen doch reiten, weil es ihnen Spaß macht und nicht, weil sie geschleift werden wollen.“

Svenja konnte Monique nur zustimmen.

„Ich habe vergessen zu fragen, wann ich morgen hier sein soll“, stöhnte Svenja plötzlich.

„Ist nicht so schlimm. Sei einfach um 15.00 Uhr hier. Ich sage Höski morgen beim Frühstück Bescheid.“ Monique holte ein Whiskyglas. „Willst du auch einen WisCo?“ fragte sie.

„Nein, ich muss noch fahren. Gib mir bitte noch ne Cola. Wann kommt der Typ denn?“ fragte sie neugierig.

„Wer? Höski? Der kommt irgendwann die Nacht. Warum?“ Monique konnte Svenja verstehen. Diese Welt hier war wirklich anders.

„Ich meine nur, ich hätte ihn schon gerne vorher gesehen. Deine Kurzbeschreibung hat mich doch ziemlich neugierig gemacht.“ Sie trank einen Schluck. „Ich kennen niemanden, der nicht ernst bleiben kann.“

Monique schmunzelte. „Er kann schon ernst bleiben. Aber nicht wenn er Reitschüler sieht. Dann kann er nichts anderes als sie verulken. Du wirst ihn mögen, bestimmt. Es gib keinen der Höski nicht mag.“

„Woher willst du das wissen?“ fragte Svenja.

Monique lachte wieder und trank ihren Whisky-Cola. „Aus Erfahrung. Wer einmal mit Isländern zu tun hatte, der kommt nur schwer wieder von ihnen los. Sie sind so natürlich, ehrlich und hilfsbereit, wenn es um wichtige Dinge geht“, erklärte Monique.

„Wie meinst du das?“ fragte Svenja zurück.

„Du wirst keinen hier finden, der dir freiwillig dein Pferd sattelt. Aber sie würden dir sofort helfen, wenn dich einer angreift, oder wenn du eine Panne hast und nachts allein im Wald stehst“, lachte Monique.

„Erzähl mir mehr über diese Leute. Das klingt toll. Wie viele seid ihr denn hier und wie heißen die Isländer?“ Neugierig sah Svenja Monique an.

„Da ist zuerst mal Ásta, die hast du ja kennen gelernt. Sie ist die Frau von Gunnar, der hat den Hof hier gepachtet. Gunnar ist ein Schürzenjäger, der immer wieder von Ásta zurück gepfiffen wird. Er ist sehr freundlich und sehr charmant. Außerdem sieht er auch gut aus, aber das ist Ansichtssache:“ Monique ging zu dem Tisch mit den Jungs, um eine Bestellung aufzunehmen.

„Gunnar, den Namen kann ich mir wenigstens merken“, lachte Svenja, als Monique zurück war.

„Dann haben wir noch Höskuldur und Olé. Olé ist der Sohn von Gunnar. Er gibt sich nur mit Reitschülern ab, wenn er was von ihnen will. Das heißt, wenn sie weiblich sind. Er ist manchmal etwas seltsam.“ Monique stellte die Getränke auf ein Tablett und wollte losgehen.

„Lass mich das machen“, sagte Svenja und nahm ihr das Tablett ab.

„Und Höskuldur? Ist er auch mit Gunnar verwandt?“ fragte sie als sie das Tablett wieder abstellte.

„Nein, er arbeitet nur für Gunnar.  Mit ihm kann man Pferde stehlen und Feste feiern.  Und dann haben wir noch Geiry. Eigentlich heißt er  Asgeir Björn, aber das ist uns viel zu lang. Er ist hier der Reitlehrer. Ruhig, freundlich aber sehr zurückhaltend, solange er dich nicht kennt.“ Monique lachte wieder.

„Und alle sind verheiratet?“ fragte Svenja weiter.

Monique schüttelte den Kopf. „Wo denkst du hin? Nur Gunnar ist verheiratet.“

Sie schwiegen eine Weile, dann sah Svenja auf die Uhr. „Ich sollte so langsam nach Hause fahren. Ich danke dir für die Infos. Bis morgen.“

Monique sah ihr hinterher. „Bis morgen.“

Svenja hatte das Gefühl, dass sie und Monique gute Freundinnen werden könnten. Sie war gespannt auf den nächsten Tag und auf diese Leute mit den seltsamen Namen. Trotz allem schlief sie schnell ein.

Der nächste Morgen verging für Svenja im Schneckentempo. Sie fieberte dem Ausritt entgegen. Es war schon so lange her, dass sie auf einem Pferd gesessen hatte. Außerdem versprach dieser Ausritt etwas ganz besonderes zu werden.

Sie war eine gute Stunde zu früh auf dem Gestüt und Monique grinste ihr schon entgegen.

„Du konntest es wohl nicht erwarten, oder?“ fragte sie neckend.

„Nein, ich habe schon so lange nicht mehr auf einem Pferd gesessen. Außerdem bin ich gespannt was mich erwartet.“ Auch Svenja konnte ein Grinsen nicht unterdrücken.

„Na dann komm mal mit Pferde fangen. Höski will heute Neisti reiten. Dann gebe ich dir am besten Hammar. Der ist sehr schnell, aber nicht so schwierig zu reiten. Außerdem ist er sehr leicht zu tölten“, erklärte Monique und gab Svenja eine Trense in die Hand.

„Dann wird es ein rasanter Ausritt, oder?“ fragte Svenja zögernd.

„Höski passt schon auf dich auf. Vertrau ihm einfach.“ Damit verschwand Monique in der Box von Neisti. Es dauerte eine ganze Weile bis sie ihn aufgezäumt hatte. Svenja fragte sich inzwischen ob es nicht doch ein Fehler war nach so langer Pause einen Ausritt zu machen.

„Was stehst du denn noch hier rum? Hammar steht in der letzten Box, hier im Stall. Der Schimmel dort hinten“, rief Monique ihr zu.

Langsam ging Svenja zu dem Pferd und zäumte ihn auf.

„Monique, sag mir bitte noch, wie tölte ich denn?“ Svenja war ziemlich verzweifelt.

„Das bringe ich dir schon bei“, rief jemand von der anderen Seite des Stalles.

Höski hatte schon eine ganze Zeit dort gestanden und Svenja beobachtet. Wenn sie ihm nicht gefallen hätte, dann hätte Monique mit ihr reiten müssen. Aber die hier schien in Ordnung zu sein.

„Hi ich bin Höski“, sagte er.

Monique grinste, als er jetzt einen Arm um Svenjas Schultern legte und sie zur Sattelkammer brachte. Der alte Charmeur, er wusste wie er mit Frauen umgehen musste. Doch dann sah Monique Svenjas Gesichtsausdruck und sie wusste, dass sie einfach Freunde werden mussten. Svenja war keine von denen, die oberflächlich waren  und nur ritten weil es chic war. 

Svenja versuchte sich so schnell wie möglich zu befreien. Höski quittierte diesen Versuch nur mit einem müden Lächeln. Svenja gefiel ihm. Sie war wenigstens nicht auf Männerjagd. Hier in Deutschland war er schon so oft gejagt worden, dass er glaubte es gäbe keine vernünftigen Frauen mehr.

„Hier das ist dein Sattel“, sagte er und drückte Svenja einen Sattel in die Hand.

Sie nickte und lächelte, dann ging sie zu ihrem Pferd, das bereits in der Stallgasse stand und auf sie wartete.

„Ich habe einige Zeit nicht  im Sattel gesessen. Könnten Sie am Anfang etwas ruhiger reiten?“ fragte sie, als sie aufsaßen.

Höski sah sie lächelnd an. „Na klar, elskan.“

Damit trabte er auch schon munter auf den kaputten Schotterweg zu.

Svenja sah noch hilflos auf Monique, die sich vor Lachen bog. Dann ritt sie hinter dem Mann her.

Vor der Strasse blieb Höski stehen. „Ich passe schon auf dich auf. Also bleib in meiner Nähe.“ Er grinste und sah aus wie ein Lausbub.

Svenja grinste zurück. Sie wusste, dass er sie bestimmt nicht auslachen würde, wenn sie einen Fehler machte oder vom Pferd fiel. Dann gingen sie im Schritt über die Strasse und verschwanden im Wald.

Sie ritten eine ganze Zeit schweigend im Schritt durch  den Wald. Bis sie auf einen breiten Waldweg stießen.

„Du möchtest also tölten?“ fragte Höski und sah sie von der Seite an.

„Ja gerne, wenn ich es irgendwie hinbekomme.“ Sie lächelte unsicher zurück.

Höski nickte. „Klar, bekommst du das hin. So schwer ist es nicht. Und du reitest doch gut. Also nimm die Zügel kürzer und setz dich tief in den Sattel. Der Schwerpunkt muss so weit wie möglich hinten liegen. Und dann vergiss das Treiben nicht.“ Er sah sie an und Svenja nickte.

„Okay, du reitest vor mir, dann kann ich dir sagen, ob du was falsch machst.“

Svenja lenkte ihr Pferd an ihm vorbei und nahm die Zügel auf. Sie setzte sich tief in den Sattel und verlagerte ihr Gewicht ein wenig nach hinten, dann trieb sie den Wallach beherzt an. Es war ein tolles Gefühl. Sie wurde nicht wie im Trab durchgeschüttelt, sondern ritt fast wie im Schritt, nur viel viel schneller.

„Gut so, toll“, rief Höski ihr zu, als er auf gleiche Höhe zog. „Da vorne kommt eine lange Grade. Wie wär’s mit einem kleinen Rennen?“ er lachte.

„Lieber nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihn dann noch gehalten bekomme“, blockte Svenja ab.

„Ich fange ihn dir schon wieder ein. Also komm. Ich gebe dir auch etwas Vorsprung.“

Svenja sah die Gerade vor sich liegen und trieb Hammar an. Gleichzeitig gab sie ihm mehr Zügel und der Wallach stob davon, so dass Höski der ganze Staub ins Gesicht flog.

„Du Hexe, na warte“, rief er ihr lachend hinter her. Und schon war er dicht hinter ihr.

Svenja fand Gefallen an der wilden Jagd. Bisher kannte sie nur Ausritte, die wohlgeordnet in der richtigen Reihenfolge geritten wurden. Rennen, wie dieses hatte sie noch nie gemacht.

Höski zog jetzt mit ihr gleich. „Du solltest jetzt langsam abbremsen. Da vorn ist der Weg zu Ende“, rief er ihr zu.

Svenja nickte und nahm die Zügel auf, aber Hammar reagierte nicht. Sie bekam Angst, aber behielt ihre Nerven unter Kontrolle. Höski konnte sehen, wie sie mit ihrem Pferd kämpfte. Er ritt dicht an die beiden heran und griff ihr in die Zügel. „Nur keine Panik, ich helfe dir“, sagte er immer noch lachend.

Jetzt parierte er sein Pferd langsam durch und auch Hammar wurde gezwungen langsamer zu werden. Außerdem drängte Höski den Wallach immer mehr vom Weg ab. Genau am Ende des Weges standen sie.

„Danke, ich hätte es sonst nicht geschafft“, sagte Svenja zitternd.

Höski sah sie forschend an. „Du hattest doch keine Angst, oder?“ fragte er ernst.

Svenja wurde rot und nickte. „Ich habe noch nie eine solche Situation erlebt und ich dachte schon ich würde irgendwo dort zwischen den Bäumen enden.“

Höski lächelte. „Es war meine Schuld, entschuldige. Ich hätte dich nicht zu dem Rennen überreden sollen. Du bist noch nie ein Rennen geritten?“

Svenja verneinte. „Ich bin sonst immer auf Reiterhöfen geritten, da wurden Abteilungen gebildet und in dieser Anordnung wurde auch im Gelände geritten.“

Höski verzog das Gesicht. „Wo bleibt denn da der Spaß?“ fragte er.

Svenja musste grinsen, er konnte kein sch sprechen und so klang seine Aussprache sehr komisch.

Höski sah sie wieder an. „Was lachst du denn?“ fragte er.

„Du darfst mir aber nicht böse sein, wenn ich es dir sage, okay?“

„Okay.“

„Deine Aussprache ist wirklich niedlich. Aber ich lache dich nicht aus. Es klingt nur so ungewohnt.“ Sie sah ihn wieder scheu an.

Doch Höski lachte mit. „Ich möchte nur gerne mal hören, wie es klingt, wenn du isländisch sprichst, dann könnte ich bestimmt auch lachen.“ Höski konnte ihr nicht böse sein.

„Komm lass uns jetzt weiter reiten.“

Sie ritten einen Bogen und kamen wieder beim Gestüt an. Vor dem Stall wurden sie schon von Monique erwartet.

„Höski, Gunnar und Geiry sind eben angekommen. Sie warten auf dich oben in der Kneipe. Gunnar will, dass du ihm ein Pferd für das Turnier nächste Woche trainierst.“ Monique sah Höski grinsend an.

„Soll Gunnar doch selber machen. Ich habe noch was anderes zu tun“, brummte Höski etwas verstimmt. Doch dann grinste er wieder.

„Das Turnier ist doch in Köln beim Schmitz, oder?“ fragte er.

Monique nickte. „Ja, bei deiner geliebten Helga“, neckte sie ihn.

„Dann werde ich Gunnar das Pferd bereiten und sogar als TT mit zum Turnier fahren.“

Er warf Monique die Zügel zu und rannte die Treppe rauf.

„Na, wie war´s?“ wandte sie sich jetzt an Svenja.

Svenja lachte. „Toll, ich habe meinen Reitstall gefunden. Ich hoffe nur, dass ich es mir auf Dauer auch leisten kann.“

Sie versorgten die Pferde und Monique sah Svenja an. „Was machst du denn beruflich?“

„Ich gehe noch zur Schule. Nächstes Jahr hoffe ich mein Abitur zu bestehen. Ich lebe also von der guten Laune meiner Eltern.“ Sie seufzte.

Monique sah sie einen Moment nachdenklich an. „Ich könnte hier etwas Hilfe gebrauchen. Wenn es also zu knapp wird, dann sag mir Bescheid. Ich werde es dann regeln. Aber erst solltest du die ganze Mannschaft kennen lernen.“

Svenja nickte freudig. „Herzlich gerne. Ich werde auf dein Angebot zurück kommen.“

Sie half Monique noch beim füttern, dann ging sie in die Kneipe, um den Ausritt zu bezahlen. Enttäuscht stellte sie fest, dass außer Ásta keiner mehr da war. Sie ging zu Ásta und bezahlte die Reitstunde.

„Ich hätte gerne nächste Woche eine Reitstunde. Ginge das?“ fragte sie.

Ásta nickte. „Natürlich, wann hast du denn Zeit?“

Svenja überlegte einen Moment. „Mittwoch ab 18.00 Uhr.“

Ásta nickte. „Gut, dann kannst du in der Stunde bei Geiry mitreiten. Höski hat uns schon berichtet, dass du gut reitest. Es kommen dann noch 3 Reiter.“

„Toll, dann bis Mittwoch.“ Svenja wollte sich gerade verabschieden, als Höski wieder in die Kneipe kam.

„Du willst doch nicht schon gehen, oder?“ fragte er.

Svenja nickte. „Doch. Ich muss dringend unter die Dusche.“

Jetzt lächelte Höski sie zweideutig an. „Du kannst in meiner Dusche duschen. Ich habe es auch dringend nötig.“

Svenja war an diese Art Humor noch nicht gewöhnt und sah den Mann entsetzt an.

„Er macht nur Witze“, rief Monique jetzt zu ihr rüber. „Höski, du vertreibst uns noch alle vernünftigen Menschen. Svenja steht bestimmt nicht auf eine solche Anmache“, tadelte Monique lachend und ließ sich auf einen Hocker fallen. Sie war gerade herein gekommen.

Höski grinste versöhnlich. „Sie hat es schon richtig verstanden. Nicht wahr, elskan?“ fragte er und drückte Svenja an sich.

Svenja grinste zurück. „Ich habe schon verstanden. Aber was heißt dieses Wort?“

Monique verkniff sich das Grinsen. „Das erklärt Höski dir bestimmt gerne.“

Svenja sah abwartend auf Höski.

„Ich kenne die Übersetzung nicht. Aber in etwa so was wie Liebling.“

Svenja rückte etwas von Höski ab. „Ich bin aber nicht dein Liebling. Ich kenne dich doch erst seit ein paar Stunden.“

Monique konnte sich vor Lachen nicht mehr halten.  „Für ihn sind alle seine Lieblinge, wenn er eine Frau gut leiden kann. Du musst dir nichts dabei denken.“

Svenja wurde rot. „Entschuldige, ich dachte…“

Höski schüttelte den Kopf und brummelte auf Isländisch etwas vor sich hin.

„Also kommst du nachher wieder. Wir haben samstags abends immer eine Menge Leute hier und jede Menge Spaß.“ Monique sah sie bittend an.

„Natürlich kommt sie wieder. Sie ist doch meine neue Freund“, mischte sich Höski ein.

„Es heißt Freundin und du weißt doch nicht, ob sie dich überhaupt leiden kann“, gab Monique zurück.

„Ich kann dich sehr gut leiden. Aber ob es für eine Freundschaft reicht, muss ich noch herausfinden. Und ich werde gegen 20.00 Uhr wieder hier sein“, lachte Svenja. Dann verabschiedete sie sich von den beiden und fuhr nach Hause, um zu duschen.

Svenja hatte noch jede Menge Zeit und so fuhr sie nachdenklich nach Hause. Dieses Gestüt war so anders als alles was sie bisher kannte. Und der Bereiter gefiel ihr schon sehr gut. Sie war gespannt auf den Rest. Ob die alle so gut gelaunt und freundlich waren? Sie pfiff leise einen Song aus dem Radio mit und freute sich auf einen tollen Abend.  Zu Hause wurde sie schon von ihrer Mutter erwartet.

„Na du hast dir aber Zeit gelassen. Ich dachte schon es wäre etwas passiert.“ Der Ton war vorwurfsvoll und Svenja seufzte leicht.

„Du machst dir zu viele Sorgen, Mama. Ich reite doch nicht erst seit gestern. Aber ich habe jetzt keine Zeit um mit dir zu streiten. Ich will nachher noch mal weg.“

Ihre Mutter sah sie forschend an. „Und wohin wenn ich fragen darf?“

„Ich habe ein paar Leute auf dem Eichenhof kennen gelernt. Und wir wollen heute Abend noch was unternehmen.“ Svenjas Ton sagt deutlich, dass ihre Mutter sie in Ruhe lassen sollte.

„Du willst dich mit diesen Ausländern herumtreiben?“ fragte sie entsetzt.

Svenja stand schon auf der Treppe. Sie drehte sich um und sah ihre Mutter ärgerlich an. „Erstens sind nicht alle Ausländer, die auf dem Eichenhof sind. Und zweitens gibt es auch in anderen Ländern Menschen, die genau so sind wie du und ich.“ Damit ließ sie ihre Mutter stehen und ging in ihre Etage. Hier hatte sie ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Badezimmer für sich allein. Sie suchte sich eine saubere Jeans und einen Pulli heraus und verschwand unter der Dusche. Als sie sich die Haare fönte, sah sie auf die Uhr. Es war schon später als sie angenommen hatte. Sie war fast 2 Stunden mit Höski ausgeritten. Trotzdem hatte Ásta ihr nur eine Stunde berechnet. Das fand Svenja mehr als nett, da ihre Finanzen nicht so toll aussahen. Es war jetzt schon 19.00 Uhr und sie wollte noch was essen und sich mit ihrer Mutter aussöhnen. Sie wusste, dass ihre Mutter nur so reagierte, weil sie Angst vor Pferden hatte. Sie konnte einfach nicht verstehen, was Svenja an diesem Sport fand.

Als Svenja fertig war, ging sie runter in die Küche und plünderte den Kühlschrank. Dann setzte sie sich zu ihrer Mutter ins Wohnzimmer.

„Wo ist Daddy?“ fragte sie.

„Er hat heute Nachtschicht. Ich bin also mal wieder alleine“, gab ihre Mutter schlecht gelaunt zurück.

„Das tut mir leid, Mama. Ich möchte mich auch für meinen Ton eben entschuldigen. Aber ich bin jetzt erwachsen und du kannst mir nicht mehr vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Sie sah ihre Mutter bittend an.

„Ich weiß, Kind, aber ich habe immer ein schlechtes Gefühl, wenn du mit Leuten zusammen bist, die ich nicht kenne.“

Svenja konnte sie ja verstehen. „Ich kenne diese Leute auch noch nicht richtig, da kann ich wohl schlecht meine Mutter mitnehmen, oder?“ fragte sie lachend.

„Nein, ich verstehe dich schon. Und jetzt hau endlich ab. Viel Spaß.“

Das ließ Svenja sich nicht zweimal sagen. Sie sprang auf, küsste ihre Mutter und war schon verschwunden. Sie lag gut in der Zeit. Es war jetzt genau 19.30 Uhr und sie würde bestimmt eine gute Viertelstunde bis zum Gestüt brauchen. Und etwas zu früh war immer besser als etwas zu spät.

Als sie den Wagen kurz darauf wieder vor der Halle parkte, konnte sie schon Gelächter und Lärm aus der Kneipe hören. Gut gelaunt stieg sie die Treppe hoch. Monique winkte ihr lächelnd zu, als sie die Tür öffnete.

„Hi, schön das du kommst“, rief sie.

„Hab ich dir doch gesagt“, antwortete Svenja.

Höski zog sie auf einen freien Platz neben sich. „Heute Abend gehörst du zu mir“, sagte er fest.

Svenja sah unsicher auf Monique. Sie wusste nicht was er damit meinte. Doch Monique lachte und schüttelte unmerklich den Kopf.

„Okay, Höski, wenn du meinst.“ Svenja lachte ihn an. Und als sie ihm in die Augen sah, wusste sie, dass sie in ihm einen Freund gefunden hatte, um den sie so mancher beneiden würde.

Auch Höski bemerkte verwundert, dass er sich mit Svenja so gut verstand, als wenn sie sich schon Jahre kennen würden. „Du bist in Ordnung“, flüsterte er ihr leise zu.

„So und jetzt Whisky-Cola für alle, “ rief Monique.

„Ich muss noch fahren. Für mich bitte etwas Anti-Alkoholisches“, sagte Svenja verlegen.

Doch Höski zog sie an sich. „Du kannst hier übernachten.“

Svenja malte sich aus, was wohl ihre Eltern dazu sagen würden und schüttelte den Kopf. „Nein, besser nicht. Ein anderes Mal gerne.“

Monique hatte ihr schon eine Cola hingestellt, so dass es erst gar nicht zu einer Diskussion kam. Svenja sah sich jetzt erst die anderen an dem Tisch an. Monique folgte ihrem Blick und grinste. „Ich bin wirklich unmöglich. Also der neben mir heißt Georg und dann kommen Birte, Madeleine und natürlich Richard. Und das ist Svenja“, stellte Monique sie vor.

Svenja sah einen kurzen Moment etwas enttäuscht aus. Sie hatte gehofft die anderen Isländer kennen zulernen.

„Der Rest unserer Clique hat sich leider schon nach oben verzogen. Gunnar und Geiry müssen morgen noch mal starten.“ Erklärte Monique schnell.

Svenja hatte sofort das Gefühl akzeptiert zu werden und so was hatte sie noch nie erlebt. Meistens brauchten festes Cliquen erst einige Zeit bis sie eine neue akzeptierten.

„Wie lange reitest du eigentlich?“ fragte Höski sie jetzt.

„Ich reite seit gut 10 Jahren, aber immer nur in den Ferien. Ich habe mich so von Reiterhof zu Reiterhof geritten.“ Sie lachte unsicher.

„Dafür reitest du aber gut. Du musst nur vorsichtiger beim parieren werden“, meinte Höski und grinste.

Monique sah von einem zum anderen. „Wie meinst du das Höski? Ist heute etwas passiert, was du uns verschweigen willst?“

Svenja wurde rot. Sie glaubte fest daran, dass er sie jetzt doch bloßstellen würde. Doch Höski lächelte sie immer noch an. „Es ist nichts passiert. Mir ist eben nur aufgefallen, dass sie etwas hart pariert, okay?“ Er log sehr überzeugend.

Svenja hätte ihn umarmen können. „Ich danke dir“, flüsterte sie ihm zu. Doch Höski sah sie nur erstaunt an.

„Wer fährt denn eigentlich zum Turnier nächste Woche“, fragte Monique und unterbrach damit die stille Unterhaltung zwischen Höski und Svenja.

„Na nur Gunnar und ich. Und Ásta natürlich. Geiry und Olé bleiben dir erhalten.“ Höski trank seinen Wisco auf ex.

„Na toll, das kann ja heiter werden. Ich muss also das ganze Wochenende Olé ertragen. Gegen Geiry ist ja nichts einzuwenden. Er arbeitet wenigstens noch was“, stöhnte Monique. Ihr Verhältnis zu Olé war offensichtlich nicht das Beste.

Svenja lachte. „Wenn du willst dann leiste ich dir am Wochenende Gesellschaft.“

Monique nickte begeistert. „Das wäre toll. Du kannst in meinem Zimmer übernachten. Dort steht noch ein zweites Bett.“

„Du kannst auch in meinem Bett übernachten“, meinte Höski und grinste Svenja an. „Aber es wäre nicht so toll, ich bin ja nicht da.“

Svenja gab ihm einen leichten Schubs. „Ich werde so oder so nicht in deinem Bett übernachten. Außerdem sollten wir erst mal Gunnar fragen. Immerhin ist er der Herr hier, oder?“

Höski und Georg sahen sie verständnislos an. „Was hat das denn damit zu tun?“ fragte Georg jetzt. Doch dann lachte er. „Du bist noch nicht so oft hier gewesen, stimmts? Du kennst die Regeln bzw. das Zusammenleben hier noch nicht.“

Svenja nickte. „Du hast Recht. Ich war gestern zum ersten Mal hier.“

Georg warf den Kopf in den Nacken und lachte. „Dann ist mir jetzt einiges klar. Also wenn Monique oder einer der anderen sagen, dass du hier übernachten kannst, dann ist das in Ordnung. Und Gunnar ist kein Gestütsleiter, wie du ihn dir jetzt vorstellst. Er ist viel lockerer. Wart es ab, dann siehst du was ich meine“, Georg trank ihr zu.

Svenja fand das alles sehr komisch. Aber sie war jetzt schon fasziniert von den Leuten und dem Gestüt.

Es flogen Scherzworte durch die Kneipe und bald setzten sich auch die anderen Gäste zu ihnen an den Tisch. Georg holte seine Gitarre raus und Ásta stellte die Muskibox aus. Die Musik kannte Svenja nicht und als alle den Refrain mitsangen, beschränkte sie sich aufs Zuhören. Georg sang isländische Lieder, obwohl er Deutscher  war. Gegen 2.00 Uhr morgens verabschiedete sich Svenja von den Leuten und sie hoffte, dass sie Freunde werden würden.

„Warte ich bringe dich zu deinem Wagen“, rief Monique und stand auf.

Höski sah auch auf, aber er war sich nicht sicher, ob er die Treppe noch runter kam. Er hatte zuviel getrunken. „Bless elskan“, rief er mit schwerer Zunge.

Svenja lachte und winkte, dann ging sie mit Monique zusammen raus.

„Du strahlst wie ein Honigkuchenpferd. Du magst Höski, was?“ fragte Monique leise.

Svenja lachte. „Ich mag ihn, aber nicht so wie du jetzt meinst. Ich liebe ihn nicht. Er ist wie ein großer Bruder, den ich nie hatte. Ich denke er sieht es genau so.“

Monique schüttelte zweifelnd den Kopf. „Bei Isländern kann man das nie so genau wissen. Aber er ist schon in Ordnung.“

Sie blieben bei Svenjas Wagen stehen.

„Ich bin froh, dass ich hergekommen bin. Du hattest Recht, hier ist alles anders. Viel freier und ohne den üblichen Stress.“ Svenja hörte auf ein Lied, dass aus der Kneipe kam.

„Es ist, weil wir hier jeden akzeptieren. So wie er ist. Wenn der andere uns auch so akzeptiert. Es ist sehr schwer es auszudrücken. Aber du wirst verstehen was ich meine, wenn du uns näher kennen lernst. Wann kommst du wieder?“ Monique sah Svenja an.

„Ich habe für Mittwoch eine Reitstunde ausgemacht. Und dann habe ich dir doch versprochen, dass ich am Freitag komme. Nur ob ich dann hier übernachte weiß ich noch nicht. Ich meine, ich kenne Gunnar nicht mal und auch Geiry und Olé nicht.“ Svenja war unsicher.

Monique grinste. „Das ist kein Problem. Lassen wir es auf uns zu kommen. Wenn du bleiben willst ist das kein Problem und wenn nicht dann fährst du eben nach Hause.“

Svenja sah sie forschend an. „Du wärst dann nicht sauer?“

„Nein, warum sollte ich. Es ist deine Entscheidung. Ich bin ja schon froh, wenn du tagsüber kommst, so dass ich ein bisschen Hilfe habe.“

„Ich komme direkt nach der Schule. Gott sei Dank haben sie uns in diesem Jahr nicht wieder Stunden auf den Samstag geschoben.“ Svenja fröstelte.

„Du solltest jetzt besser reingehen. Wir sehen uns dann spätestens Freitag“, sie sprang in ihr Auto und fuhr los.

Monique lachte und stieg die Steintreppe rauf. Im Flur begegnete sie Höski. „Ist sie weg??“ fragte er lallend.

Monique nickte. „Warum fragst du? Sie ist bestimmt keine Beute für dich, Höski.“

Höski sah Monique ernst an. „Ich will sie nicht in mein Bett zerren. Ich mag sie eben und ich möchte dass wir Freunde werden.“

Monique nickte. „Genau das habe ich auch vor.“

Damit ging sie auf ihr Zimmer, denn am nächsten Tag musste sie wieder früh aufstehen.

Svenja verschlief den meisten Teil des Sonntags, dann fiel ihr ein, dass sie noch für einen Test in Englisch lernen musste. Der Sonntag verging viel zu schnell und Svenja ging früh ins Bett. Sie durfte sich auf keinen Fall in der Schule verschlechtern, denn dann würden ihre Eltern sofort alles auf die Isländer schieben. Aber genau das wollte sie verhindern.

Svenja musste sich am nächsten Tag sehr zusammen nehmen, denn sie dachte die ganze Zeit an die Leute auf dem Gestüt. Zu allem Unglück hatte sie auch noch 10 Stunden, so dass sie erst um 17.00 Uhr nach Hause fahren konnte. Den Rest des Tages träumte sie vor sich hin. Sie stellte sich vor, dass sie auch mal mit auf ein Turnier fahren würde und dass sie ein voll akzeptiertes Mitglied der Clique würde. Sie konnte es kaum bis Mittwoch aushalten, aber sie wollte den Leuten auch nicht auf die Nerven gehen, also fuhr sie erst zur Reitstunde zum Gestüt.

Sie wurde schon an der Tür von Monique begrüßt. „Schön dass du da bist. Leider hat sich der Plan für heute geändert. Geiry ist zum Flugplatz gefahren, um Gunnar´s ältesten abzuholen. Und dummerweise ist er noch nicht zurück. Du kannst also entweder eine Stunde bei Gunnar nehmen oder mit mir ausreiten.“

Svenja fühlte sich etwas überfahren, aber dann lachte sie. „Wer reitet denn noch mit uns aus?“ fragte sie.

„Keiner, ich muss einige neue Pferde aus Island testen und in der Halle ist ja bekanntlich heute kein Platz.“

„Aber ich würde Gunnar gerne kennen lernen. Ich würde aber auch gerne mit dir ausreiten“, sagte Svenja zögernd.

Monique lachte. „Geh ruhig in die Stunde bei Gunnar. Wir haben bestimmt noch öfters die Gelegenheit zusammen auszureiten.“

Svenja nickte und nahm von  Monique eine Trense entgegen.

„Dein Pferd steht noch im Paddock. Gunnar hat dir ein ganz besonderes Pferd zugedacht. Skjoni, er war erst einmal in einer Halle. Aber er ist ein Renntölter, also pass im Tölt gut auf, dass er dir nicht durchgeht.“ Monique ging mit Svenja zum Paddock und sie fingen einen sehr großen Schecken ein.

„Wieso darf ich ausgerechnet dieses Pferd reiten?“ fragte sie erstaunt.

Monique lächelte. „Das hast du Höski zu verdanken. Er meinte du solltest keine Anfängerpferde reiten, dazu wärest du zu gut. Wenn du genug über Isländer gelernt hast, dann wird Gunnar dich bestimmt bitten ab und zu die Anfängerpferde zu reiten. Damit die armen auch mal einen vernünftigen Reiter auf den Rücken bekommen.“

Svenja schüttelte ungläubig den Kopf. „Das glaube ich dir nicht. So gut kann ich nicht sein.“

Doch Monique gab ihr keine Antwort, weil sie schon in der Sattelkammer verschwunden war. Sie kam mit einem Sattel für Svenja zurück.

„So ich muss jetzt los zur Weide, damit ich mir meine Testpferde rausholen kann. Du kommst doch klar, oder?“ fragte sie.

Svenja nickte. „Was ist denn mit den anderen? Sind die schon in der Halle?“

Monique nickte und war im nächsten Moment verschunden.

Svenja war sehr unsicher. Sie war die letzte die in die Halle kam. Aber sie war nicht zu spät. Dennoch wartete alles auf sie. Doch Gunnar begrüßte sie freundlich.

Svenja stand mit ihrem Pferd in der Mitte und wartete auf den Befehl eine Abteilung zu bilden. Doch es passierte nichts.

„Ist was nicht in Ordnung?“ fragte Gunnar.

Svenja schluckte. „Reitet ihr hier nicht in einer Abteilung?“ fragte sie leise.

Gunnar hätte sich beinahe verschluckt. „Nein, warum auch? Unsere Pferde können schon geritten werden und brauchen keinen der vorneweg trabt.“ Er unterdrückte ein Lachen.

Svenja nickte und ritt auf den Hufschlag. Gott sei Dank kannte sie die Bahnregeln. Aber auch jetzt kam kein Befehl. Irgendwie ritt jeder wie und was er wollte.

Gunnar sah ihren ratlosen Gesichtsausdruck. „Svenja kommst du bitte mal?“ fragte er.

Svenja ritt zu ihm.

„Pass auf, hier reitet jeder so wie er es will. Wenn ihr Fehler macht, dann sage ich es. Nur beim Rennpass und beim Renntölt gibt es besondere Regeln. Es wird nur auf der Passbahn oder auf der Ovalbahn im Renntempo von den Schülern geritten. „

Svenja nickte, sie hatte verstanden. Die Stunde war für sie sehr anstrengend, weil sie sich bemühte keinem in die Quere zu kommen und auch sonst möglichst wenig zu stören. Gunnar lachte vergnügt vor sich hin. Geiry, der inzwischen wieder da war und von der Kneipe aus zugesehen hatte, war sehr zufrieden. So viele gute Reiter gab es auf dem Hof nicht. Und wenn diese hier erst mal ihre Unsicherheit verloren hatte, würde sie sehr gut werden.

Als die Stunde vorbei war, ritt Svenja schnell zu Gunnar, der gerade die Halle verlassen wollte. „Entschuldige Gunnar“, rief sie.

Er drehte sich um. „Ha?“

„Ich habe Monique versprochen am Wochenende zu helfen und eventuell hier zu übernachten, wenn du nichts dagegen hast.“ Svenja sprach schnell und verhaspelte sich.

Doch Gunnar lachte. „Nein, ist kein Problem. Schön, wenn Monique Hilfe hat.“

Damit verließ er nun endlich die Halle und Svenja ritt ihr Pferd trocken.

Als sie abgesattelt hatte, kam Monique in den Stall.

„Ich habe Gunnar gefragt, ob er was dagegen hat, wenn ich am Wochenende hier bleibe. Es ist alles okay;“ rief Svenja Monique zu.

Monique grinste. „Hab ich dir doch gesagt. Schade nur, dass du Geiry wieder nicht kennen lernst. Er ist am Wochenende auch auf diesem Turnier. „

Svenja sah Monique verständnislos an. „Aber ich dachte….“

„Ja, ich weiß, aber hier läuft selten etwas so, wie es geplant war.“ Monique verzog das Gesicht und sie lachten.

„Lass uns füttern, heute hab ich nicht soviel Zeit“, meinte Svenja und ging schon mal zur Haferkiste.

Sie fütterten und dann gingen sie zusammen in die Kneipe. Doch wieder war  außer Ásta kein anderer Isländer im Gastraum.

Svenja verkniff sich die Enttäuschung, bezahlte und ging. Monique hatte versucht sie zu überreden noch etwas zu bleiben, aber Svenja musste noch für eine französisch Arbeit am nächsten Tag lernen.

Den Rest der Woche war Svenja so mit ihren Hausaufgaben und der Lernerei beschäftigt, dass sie nur selten an den Eichenhof und seine Leute denken konnte. Doch dann kam endlich das Wochenende. Nur ihr Erdkunde-Lehrer macht mal wieder zicken. Er gab ihnen eine ziemlich heftige Aufgabe für das Wochenende auf. Svenja seufzte, sie hatte Monique versprochen sofort nach der Schule zu kommen, aber jetzt würde es doch sehr viel später werden. Ziemlich sauer wählte sie die Nummer von Eichenhof.

„Já, hver er thad?“ fragte eine Stimme.

Svenja schluckte. „Ich hätte gerne mit Monique gesprochen.“ Sie hoffte, dass der andere sie auch verstand.

„Ja? Was ist?“ fragte kurz darauf Monique.

„Hi, hier ist Svenja, ich kann noch nicht kommen. Unser blöder Stammkursleiter meinte er müsse uns das Wochenende vermiesen. Ich muss erst noch ein Referat vorbereiten.“

Monique klang enttäuscht. „Was denn für ein Referat?“

„Wir sollen uns eine Stadt aussuchen und ihre Entwicklung in wirtschaftlicher, historischer und geografischer Hinsicht darstellen.“

„Aber das schaffst du an einem Wochenende doch nicht“, bemerkte Monique.

„Stimmt, deshalb müssen wir ja auch nur unsere Gliederung abgeben und dann haben wir noch ca. 3 Wochen für den Rest Zeit. Nur ich habe keine Idee, welche Stadt ich nehmen soll. Aber ich komme heute Abend auf jeden Fall zum füttern.“ Svenja war so sauer sie kochte vor Wut, aber dass half ihr auch nichts.

„Warte mal, ich bin gleich wieder da“, sagte Monique in diesem Moment. Svenja hörte, wie sie im Hintergrund mit jemandem sprach, dann meldete sie sich wieder.

„Was hältst du von Hilfe?“ fragte sie lachend.

„Immer, wenn du sie mir geben kannst.“

„Nein, ich habe hier nur jemanden, der sich sehr gut mit solchen Sachen auskennt. Du müsstest nur Reykjavik nehmen.“

Svenja hatte fast damit gerechnet. „Und wer von deinen Isländern hilft mir dann?“ fragte sie neugierig. „Heute Abend hilft dir Olé und wenn Höski wieder da ist, übernimmt er den Rest. Höski hat auch Abitur und musste mal was Ähnliches machen. Sagt jedenfalls Olé und er sagt auch, dass er dir gerne hilft.“ Monique schwieg erwartungsvoll.

„Super, dann bin ich gleich bei euch. Bis dann“, jubelnd legte sie den Hörer auf und packte ihre Tasche.

„Ich komme erst am Sonntagabend nach Hause, Mama“, rief sie in die Küche, doch prompt kam die Antwort.

„Wo willst du denn hin?“ fragte ihre Mutter.

„Ich habe dir doch erzählt, dass ich dieses Wochenende bei Monique auf dem Gestüt bleibe und ihr helfen werde.“ Svenja stand wie auf heißen Kohlen.

„Und was ist mit dem Erdkundereferat?“ fragte ihre Mutter ernst.

„Woher weißt du denn das schon wieder?“ Svenjas Stimme klang genervt.

„Martin hat vorhin angerufen und gefragt, ob wir noch die Prospekte von unserem Urlaub in Paris hätten. Dabei hat er mir alles erzählt.“

Svenja lachte. Martin war ihr Nachbar und immer wenn es ein Problem gab, fragte er zuerst bei ihrer Familie nach. „Das ist schon geklärt. Ich werde über Reykjavik schreiben. Und die Isländer werden mir helfen. Alles was dann noch fehlt werde ich in der Schulbücherei schon finden. Und jetzt lass mich endlich gehen. Monique wartet bestimmt schon.“ Bittend sah sie ihre Mutter an. Dann fiel ihr etwas ein. „Wenn ich das Referat versaue, dann werde ich mich nicht mehr mit den Leuten treffen, okay?“ Sie lächelte ihre Mutter an.

„Das ist ein Wort. Denk daran, wenn es soweit ist“, sagte die Frau und verschwand in der Küche.

Svenja atmete auf. Sie würde diese Arbeit bestimmt nicht verpfuschen.

Kurz darauf kam sie auf dem Eichenhof an. Monique war noch im Stall und Svenja ließ ihre Sachen erst mal im Auto.

„Hi, ich dachte schon meine Mutter würde mich gar nicht mehr weg lassen“, begrüßte sie Monique mit einem Seufzen.

„Schön dass du da bist. Die Stunde ist gleich vorbei, dann kannst du beim absatteln helfen. Und dann stelle ich dir auch Olé vor. Hoffentlich kann er dir genauso gut helfen, wie Höski es könnte, wenn er da wäre.“ Monique lachte.

„Ich hoffe es auch. Ich habe meiner Mutter versprochen, keinen von euch wiederzusehen, wenn ich die Arbeit verhaue.“ Svenja war etwas nervös, doch Monique lachte wieder.

„Du wirst sie nicht in den Sand setzen. Wir werden dir alle helfen, du wirst sehen.“

Sie wollte noch etwas sagen, da kam auch schon Olé in den Stall.

„Olé hier das ist Svenja.“ Monique stellte die beiden einander vor.

Olé musterte Svenja einen Augenblick, dann lächelte er. „Du willst also etwas über Reykjavik wissen?“ fragte er.

Svenja nickte. „Nicht nur etwas, ich muss bis Montag eine Gliederung für ein Referat über die Stadtentwicklung fertig haben. Und dann habe ich ca. 3 Wochen Zeit, um das Referat auch so zu machen.“

Olé grinste. „Dann sollten wir uns gleich an die Arbeit machen, oder?“

Svenja nickte. „Sobald ich Monique geholfen habe, die Pferde zu versorgen.“

Olé brummelte etwas, das Svenja nicht verstand und ging.

„Warum müssen, die immer isländisch vor sich hin brummen?“ fragte Svenja. „Ich verstehe nie was sie sagen wollen und ob es positiv oder negativ gemeint ist.“

Monique lachte. „Dann musst du es eben lernen.“

Svenja nickte nachdenklich. Wahrscheinlich würde sie es früher oder später auch lernen. Die Reitschüler schreckten sie aus ihren Gedanken hoch. Sie nahm den ersten drei die Pferde ab und band sie vor ihren Boxen an. Da keins der Pferde eine feste Box hatte, war es egal in welche Box sie welches Pferd stellte. Svenja sattelte die Tiere ab und fühlte, ob alle trocken waren, dann stellte sie jedes in eine Box und gab ihnen eine große Schüppe Hafer.

Monique sah es mit einem Grinsen. „Du solltest ihnen nicht soviel Hafer geben. Sonst werden sie noch dick und fett. Oder einfach nur sehr, sehr schnell“, sagte sie bedeutungsvoll.

„Aber sie haben den ganzen Tag gearbeitet, oder willst du mir erzählen, dass sie nur eine Stunde gegangen sind?“ fragte Svenja zurück.

„Nein, sie haben wirklich sehr viel getan heute, aber die Isländer sind sehr genügsam. Sie brauchen kaum Kraftfutter. Aber lass es jetzt gut sein. Olé wartet auf dich oben und ich will dir auch endlich zeigen, wo du heute schläfst.“ Sie zog Svenja die große Steintreppe hinauf und weiter durch die Tür mit der Aufschrift „Privat“.

Sie standen in einem engen Flur, direkt vor einer Holztreppe. Die Treppe endete mit einem Knick und sie standen wieder in einem kleinen Flur. Links von ihnen war ein Badezimmer, dann kam das Zimmer von Höski und Olé und geradeaus ging es in das gemeinschaftliche Wohn- oder Fernsehzimmer. Daneben lag Moniques Zimmer. Darin wurden aber auch alle anderen Gäste einquartiert. Und rechts von Moniques Zimmer war Geirys Zimmer, das sogar ein eigenes Badezimmer hatte. Svenja stellt ihre Tasche in Moniques Zimmer. Die Fenster gingen in die Halle runter und in dem Zimmer standen außer einem großen Schrank nur noch zwei Betten, ein Tisch und vier Stühle.

„Es ist nicht gerade luxuriös, aber hier hat man Ruhe vor den Jungs“, lachte Monique.

Svenja sah sich um und nickte. Sie wollte ja nicht ihren Lebensabend hier verbringen.

„So, Olé wartet auf dich im Wohnzimmer, da habt ihr jetzt die meiste Ruhe. Denn in der Kneipe ist wohl nicht der richtige Ort zum lernen, oder?“ fragte Monique.

Svenja schüttelte den Kopf. „Nein, auf keinen Fall, denk daran, ich muss eine gute Arbeit ablegen.“

Sie ging zum Wohnzimmer und steckte vorsichtig den Kopf durch die Tür. „Hi, ich bin´s.“

Olé sah auf. „Ich dachte schon, du hättest dir ´s überlegt.“

Svenja lachte verlegen. „Nein, soviel Hilfe habe ich nicht. Okay, lass uns loslegen. Ich brauche Infos über die wirtschaftliche, die historische und die geographische Entwicklung. Womit sollen wir anfangen?“

Olé grinste. „Ich denke ich erzähle dir erst was über die wirtschaftliche Entwicklung. Weißt du denn wie du das Referat aufziehen willst?” fragte er.

Svenja zuckte ratlos die Schultern. „Ich weiß nur, dass unser Pauker auf viele Zeichnungen und Abbildungen steht. Overhead-Projektor ist sein Lieblingswort. Aber die Gliederung sollte schon Untertitel haben und zu jedem Gliederungspunkt Stichworte. Also ich muss wissen, wann ich eine Schablone oder Zeichnung einsetzen werde.“

Olé grinste. „Ich kenne Reykjavik sehr gut und ich habe einige Bücher hier, aus denen kannst du die Kopien machen. Dann wird er wohl genug Projektionen haben. Du musst nur die Beschreibungen aus dem isländischen übersetzen.“

Svenja sah ihn entgeistert an. „Ich kann doch kein isländisch.“

„Dafür sind wir ja dann da. So und jetzt hol dir was zum Schreiben, damit wir anfangen können.“ Olé überlegte kurz, während Svenja einen Block und einen Kulli heraus kramte.

Olé begann mit seinem Vortrag und Svenja schrieb soviel auf, wie sie konnte, doch schon nach kurzer Zeit musste sie Olé um eine kurze Pause bitten. „Du bist zu schnell. Ich kann leider kein Steno“, sagte sie entschuldigend.

Olé lachte. „Ich wollte nur mal testen, wie schnell du schreiben kannst. Okay, hast du denn alles verstanden?“

Svenja nickte. „Ja, ich habe alles verstanden und ich denke ich weiß jetzt auch schon, wie das Referat aussehen wird.“

Sie hielt Olé die Gliederung unter die Nase. „Meinst du wir bekommen das so hin?“ fragte sie.

Olé sah einen Moment auf das Blatt und nickte dann. „Klar, warum nicht.“ Er war so ruhig dabei. Svenja seufzte.

„Bitte Olé das muss ein verdammt gutes Referat werden. Es hängt soviel davon ab.“ Sie sah ihn bittend an.

Olé verstand die ganze Sache nicht. „Warum hängt soviel von einer Note ab?“ fragte er.

„Weil ich meiner Mutter versprochen habe, dass ich euch nicht wiedersehe, wenn das hier in die Hose geht.“

Olé schüttelte verständnislos den Kopf. „Was hat denn die Schule mit uns zu tun? Wir halten dich doch nicht vom lernen ab.“

Svenja nickte. „Das stimmt, aber meine Mutter ist misstrauisch und ich musste ihr was anbieten, damit ich heute herkommen konnte. Aber jetzt lass uns weitermachen.“

Gegen 23.00 Uhr kam Monique ins Wohnzimmer. „Sag mal wollt ihr das ganze Referat in einer Nacht fertig machen? Oder kommt ihr heute noch in die Kneipe runter?“ Sie schien etwas verärgert zu sein. Olé grinste. „Ist so viel los?“ fragte er.

Monique schüttelte den Kopf. „Dann würde ich euch ja nicht brauchen. Es ist fast nichts los.“

Svenja grinste und klappte ihren Block zusammen. „Monique hat Recht, lass uns für heute Schluss machen.“

Olé nickte. Er hätte zwar auch noch ein paar Stunden weiter über Reykjavik geredet, aber jetzt was zu trinken war keine schlechte Idee. Sie gingen in die Kneipe und Svenja sah sich um. Außer Georg und Richard, die sie ja schon vom letzten Mal her kannte, war die Kneipe leer. Doch die Stimmung war gut und Richard zog sie direkt an seine Seite.

„Hi, komm wir trinken was“, sagte er und Svenja merkte, dass er schon sehr viel getrunken haben musste.

Monique stellte den beiden unaufgefordert zwei Gläser hin. Svenja stieß mit den anderen an und trank einen Schluck. Gleich darauf musste sie husten, denn der Whisky brannte ihr in der Kehle. „Sag mal Monique, was ist denn das für eine Mischung?“ fragte sie keuchend.

Monique lachte und auch Olé sah sie grinsend an. „Du trinkst nicht oft Alkohol, oder?“ fragte Olé sie.

Svenja verneinte. „Nein, weil ich fast immer mit dem Auto unterwegs bin.“

Olé grinste sie jetzt noch stärker an. „Dann ist es klar, dass du unsere Mischung nicht verkraftest. Aber du gewöhnst dich daran.“

Svenja schüttelte sich. „Ich möchte mich aber nicht daran gewöhnen. Wenn ich dieses Zeug weiter trinke, dann bin ich am Montag noch blau.“

Die kleine Runde lachte und Svenja nahm einen weiteren, aber viel kleineren Schluck. So schlecht schmeckte es wirklich nicht, dachte sie bei sich und grinste Monique zu.

Nach einigen Minuten befreite sie sich von Richard und stellte sich zu Olé.

„Ich habe mich nicht mal bei dir bedankt. Du musst mich für schrecklich unhöflich halten. Ich bin dir wirklich für alles sehr dankbar,“ sagte sie leise zu ihm.

Olé grinste gutmütig. „Ist schon okay.“

Als die Musikbox einen Discofox spielte, forderte Georg Svenja zum tanzen auf. Svenja nahm begeistert an. Sie konnte nicht so besonders gut tanzen, dafür machte es ihr sehr viel Spaß. Sie amüsierte sich ganz hervorragend und Monique wusste, dass Svenja den größten Teil ihrer Freizeit hier verbringen würde, wenn sie erst den Rest der Mannschaft kannte. Monique hatte schon bemerkt, dass Svenja auf keinen Fall im Weg sein oder jemandem auf die Nerven fallen wollte. Aber da sie sich mit jedem gut verstand und auch keine Arbeit scheute, passte sie perfekt zum Team Eichenhof. Monique nahm sich vor, ihr das bei der nächsten Gelegenheit zu sagen. Doch jetzt sah sie nur vielsagend auf die große Uhr an der Wand. Es war schon nach 3.00 Uhr und sie musste morgen wieder früh aufstehen. Svenja verstand den Wink und komplimentierte Georg und Richard aus der Kneipe.

„Toll, wie hast du das so schnell geschafft?“ fragte Monique und wollte gerade die Tür abschließen, als Höski die Treppe herauf kam.

„Hallo, mein Lieb“, sagte er zu Monique, dann entdeckte er Svenja und beide wurden mit einem Kuss auf die Wange begrüßt. „Habt ihr auf mich gewartet?“ fragte er.

Svenja wollte schon verneinen, aber Monique war schneller. „Was denkst du denn eigentlich? Dass wir den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als dich zu vermissen?“ fragte sie lachend.

„Es hätte ja sein können“, gab Höski beleidigt zurück.

Svenja hakte sich bei ihm unter und zog ihn in die Kneipe. „Komm lass uns noch was zusammen trinken.“ Sie hatte schon mehr als genug und Monique wollte widersprechen, aber Höski schnitt ihr sofort das Wort ab.

„Das ist eine gute Idee, elskan“, sagte er grinsend.

Monique sah ihn warnend an. Doch Höski ignorierte sie. Svenja bemerkte davon nichts. Sie flirtete mit Höski und Olé, dabei wurde sie dreister, als sie es sich selbst zugetraut hätte. Aber sie war den Whiskey-Cola nicht gewöhnt, so wie die anderen.

„Svenja, lass uns ins Bett gehen. Morgen ist auch noch ein Tag und ich glaube du hast jetzt wirklich genug“, sagte Monique ziemlich scharf zu Svenja.

Svenja schrak zusammen. Sie hatte die Arme um Olés Hals gelegt und wollte ihn gerade küssen. „Was meinst du Monique?“ fragte sie nach und ließ Olé los.

Olé warf Monique einen vernichtenden Blick zu. Sie hatte ihm ein williges Opfer verscheucht, denn er wollte Svenja. Höski bemerkte sofort was los war und packte Svenja um die Taille.

„Komm elskan, ich bringe dich nach oben. Wir haben den gleichen Weg.“ So schob er sie zur Tür und die Treppe hoch.

Svenja kicherte und sah Olé neckend an. Doch dann richtete sie ihren Blick wieder auf Höski und sie wurde ernst. „Danke“, flüsterte sie mit schwerer Zunge und küsste Höski auf die Wange, als er sie in ihr Zimmer schob. Am nächsten Morgen klingelte um 7.00 Uhr der Wecker und Svenja hatte einen fürchterlichen Kater. „Mein Kopf, was ist denn eigentlich passiert, Monique?“ fragte sie.

Monique lachte. „Nichts Besonderes. Du wärst nur um ein Haar in Olés Bett gelandet. Aber gestern Abend warst du nicht unbedingt wählerisch. Wenn Höski es darauf angelegt hätte, dann hätte es auch sein Bett werden können.“

Svenja wurde rot und schluckte. „Ich habe viel zu viel getrunken. Ich kann mich unmöglich vor den beiden blicken lassen.“ Am liebsten hätte Svenja sich unsichtbar gemacht und wäre nach Hause gefahren.

„Kein Grund rot zu werden. Olé hat es darauf angelegt. Ich hätte dich warnen sollen. So macht er es meistens. Er hat deine Drinks ziemlich verschärft. Und du bist nicht ausfallend geworden, falls das deine Sorge ist“, beruhigte Monique ihre neue Freundin.

Svenja sah sie unglücklich an. Dann nahm sie sich zusammen und verschwand im Badezimmer. Kurz darauf gingen die beiden füttern und anschließend frühstücken.

Olé und Höski saßen schon am Tisch, als Monique und Svenja hereinkamen. Svenja hätte sich am liebsten unsichtbar gemacht, aber Höski grinste sie schon an.

„Guten Morgen elskan, komm setz dich zu mir,“ rief er ihr zu.

Svenja nickte und setzte sich. Sie traute sich nicht einem der beiden in die Augen zu sehen. Doch Höski ignorierte einfach, dass sie nicht so gut drauf war. Er machte seine Witze, so als ob es den letzten Abend nicht gegeben hätte. Und langsam taute Svenja wieder auf.

„Wir machen gleich mit deinem Referat weiter“, unterbrach Olé plötzlich das heitere Tischgespräch.

Svenja nickte und wurde wieder rot. Höski sah fragend von einem zum anderen. „Was wollt ihr machen?“ fragte er.

„Ich muss ein Referat über eine Stadtentwicklung machen. Olé hat mir seine Hilfe angeboten, wenn ich über Reykjavik schreibe. Und ich müsste ein Idiot sein, wenn ich diese Hilfe ablehne“, erklärte Svenja.

Höski nickte. „Dann werde ich dir auch helfen. Ich musste so was auch mal machen. Außerdem habe ich von der eigentlichen Stadtentwicklung mehr Ahnung, als Olé.“ Er grinste Olé frech an, denn jeder konnte sehen, dass es ihm nicht gefiel, wenn Höski dabei wäre.

Svenja atmete auf. Ihr war es so viel lieber. Sie wollte auf keinen Fall mit Olé alleine sein.

Wer weiß was er jetzt von ihr dachte. Sie gingen nach oben und Svenja holte ihre Unterlagen. Olé hörte ein paar Minuten zu, was Höski erzählte, dann murmelte er etwas und verschwand. Svenja atmete hörbar auf. Dann sah sie verlegen auf Höski.

„Tut mir leid, wegen gestern Abend. Ich habe mich wohl sehr daneben benommen, oder?“ fragte sie leise.

Höski lachte. „Nein, Olé hat dir mehr Whiskey gegeben, als du vertragen hast. Aber das ist so seine Masche, wenn er eine Frau ins Bett bekommen will. Nur hätte ich es nicht zugelassen.“

Svenja sah ihn fragend an. „Wieso nicht?“

Höski grinste wieder. „Weil du es nicht gewollt hättest. Du bist in Ordnung und wenn er was von dir will, dann soll er es dir sagen, wenn du nüchtern bist.“

Svenja lachte. „Du bist wirklich wie ein großer Bruder. Ich danke dir. Aber du sollst wissen, dass ich sonst nicht so viel trinke.“

Höski nickte und deutete dann auf ihren Papierstapel. „Wir sollten weitermachen oder nicht?“ fragte er.

Svenja nickte. Sie wusste, dass um 14.00 Uhr eine Reitstunde angesetzt war und dass Höski  zur gleichen Zeit mit einigen Leuten ausreiten wollte. Außerdem sollten die Pferde noch umgekoppelt werden und es waren noch etliche Kleinigkeiten zu tun. Also holte Svenja ihre Unterlagen heraus und sie machten sich an die Arbeit. Sie schafften wesentlich mehr, als Svenja für möglich gehalten hätte. Es fehlten ihr nur noch ein paar Einzelheiten zur geschichtlichen Entwicklung, dann konnte sie die Gliederung abtippen und abgeben.

„Glaubst du es ist gut?“ fragte Svenja zweifelnd.

Höski sah sie nachdenklich an. „Warum nicht?“

„Ich habe einfach nur Angst. Das ist alles.“ Svenja versuchte eine Vorahnung zu unterdrücken. Sie war nicht unbedingt jemand der alles positiv sah.

„So wichtig wie du es nimmst ist es nicht! Es gibt wichtigeres. Also sei locker.“

Svenja sah Höski an, dann fiel ihr ein, dass er nichts von dem Versprechen gegenüber ihrer Mutter wusste.

„Du bist witzig, die Hauptsache weißt du ja noch nicht. Ich habe meiner Mutter versprochen, wenn ich die Arbeit verhaue, dann komme ich nie wieder her.“ Svenja seufzte.

Höski legte den Arm um ihre Schultern. „Es wird gut und jetzt hör auf dir Sorgen zu machen. Komm lass uns eine Pause machen und reiten gehen. Das hilft gegen Sorgen.“ Er zog sie von der Couch und aus dem Zimmer. Svenja lachte. „Du hast Recht, wie immer.“

Auf dem Flur trafen sie auf Olé, der Svenja böse ansah. „Ihr scheint ja eine Menge Spaß zu haben. Wir haben immerhin gestern gelernt.“ Seine Stimme klang so enttäuscht und Svenja blieb stehen. „Wir haben auch gelernt, Olé und nicht was du jetzt denkst. Es tut mir leid, wenn du gestern einen falschen Eindruck von mir bekommen hast. Aber ich will nichts von dir, okay?“ Sie sah ihn bittend an und hoffte, dass er es verstehen würde.

Olé nickte plötzlich und lächelte. „Ist schon okay, ich war ja auch nicht unbedingt fair zu dir. Lass uns wenigstens Freunde sein:“

Svenja grinste. „Okay, aber ich werde nicht wieder mit dir trinken. Jedenfalls nicht in dieser Mischung.“

Alle drei lachten und gingen zum Stall. Monique war gerade mit ihrem Wallach in der Halle. Als Höski, Olé und Svenja mit ihren Pferden dazukamen. Höski hatte Svenja eins der neuen Pferde gegeben. Es war ziemlich unruhig, aber Svenja war so gut drauf, dass sie spielend mit dem Tier fertig wurde. Monique beobachtete sie aufmerksam und nickte zufrieden. Bald konnte man die Ausritte und auch Anfängerstunden Svenja übergeben und dann würde Geiry endlich Zeit haben, ihr die versprochenen Stunden zu geben. „Svenja ist wirklich in Ordnung und Talent hat sie auch“, dachte Monique. Sie ritten eine halbe Stunde konzentriert, nur Höski korrigierte Svenja ab und zu. Plötzlich rief  Höski. „Und jetzt spielen wir fangen.“

Svenja sah verwirrt zu Monique rüber und zuckte mit den Schultern, als Höski auf sie zu galoppierte. Sie grinste. „Das ist gemein, ich weiß nicht mal, ob ich mitspielen will.“

Höski schüttelte den Kopf. „Du hast keine andere Wahl, elskan.“

Im letzten Moment wich Svenja ihm aus und galoppierte zu den anderen. Höski sah ihr verdutzt nach. „Na warte du Hexe, ich dachte soweit wärst du noch nicht,“ rief er ihr nach, doch Svenja lachte ihn einfach aus.

Nach einer guten Stunde beendeten sie das Spiel und ritten die Pferde trocken. Svenja lachte. So glücklich war sie noch nie gewesen. Selbst der Gedanke, dass ihr Freund vor 2 Monaten mit ihr Schluss gemacht hatte, tat ihr nicht mehr weh. Sie war froh, dass es so gekommen war. 

„Hilfst du mir beim misten?“ fragte Monique und riss Svenja aus ihren Gedanken.

„Natürlich, dazu bin ich ja da.“ Svenja holte sich eine Mistgabel und eine Schubkarre und fing mit den Außenboxen an. Monique reinigte die Innenboxen. Es dauerte nicht lange, da kam Höski in den Stall. „Wo sind denn die Leute mit denen ich heute ausreiten soll?“ fragte er Monique.

Monique sah auf. „Die habe ich völlig vergessen. Ist denn keiner in der Kneipe?“

Höski schüttelte den Kopf. „Nein, außer Olé ist da keiner.“

Monique sah auf die Uhr. „Die kommen bestimmt gleich. Dann mal auf zum Pferdefangen.“

Sie verschwand in der Sattelkammer und holte 4 Trensen heraus. Auf dem Hof rief sie nach Svenja.

„Kannst du bitte mal kommen, Svenja?“

Svenja kam aus der hintersten Box. „Ja, klar, was denn?“ rief sie zurück.

Monique zeigte auf den Paddock und Svenja nickte. Sie wusste, dass sie Pferde fangen wollten. Vor dem Paddock trafen sie zusammen.

„Sag mal bist du wirklich schon so weit?“ fragte Monique verdutzt.

Svenja nickte. „Klar, ist doch keine Sache.“

Höski lachte, doch Monique warf ihm einen warnenden Blick zu. Svenja nahm Monique eine Trense aus der Hand.

„Welches Pferd?“ fragte sie.

Monique zeigte ihr einen Schecken und Svenja versuchte ihn einzufangen. Aber der Schecke machte sich einen Spaß daraus. Er drehte im letzten Moment ab und galoppierte zu den anderen. Svenja schimpfte, doch das nützte ihr auch nichts. Höski grinste und deutete ihr mit dem Kopf an, dass sie das Pferd in eine Ecke jagen solle. Dort fingen sie es dann gemeinsam ein. Es dauerte noch eine Weile bis sie alle vier Pferde hatten, dann gingen sie lachend zum Stall. Die Reitgäste warteten schon.

„Welches Pferde machst du mir fertig?“ fragte Höski Monique.

Monique lachte laut los. „Du kannst dir selbst ein Pferd satteln.“

Höski sah sie verständnislos an. „Aber für Geiry sattelst du ja auch immer.“

Monique grinste. „Das ist was anderes und jetzt muss ich mich um die Pferde kümmern,“ damit ließ sie ihn stehen.

Höski sah ihr verdutzt hinter her und sattelte sich sein eigenes Pferd. „Svenja kommst du mit mir?“ fragte er plötzlich.

Svenja sah über einen Pferderücken auf Höski. Sie hatte gerade den Sattelgurt angezogen.

„Ich bin mit den Boxen noch nicht fertig. Aber morgen können wir gerne zusammen reiten.“

Höski brummelte etwas auf Isländisch und schwang sich dann auf sein Pferd.

„Wenn alle fertig sind, sollen sie rauskommen. Ich warte dort.“ Er war sichtlich verstimmt, dass er mit dieser Gruppe alleine reiten sollte.

Svenja sah ratlos auf Monique, doch diese lachte nur.

„Warum wollte er, dass ich mitreite?“ fragte Svenja, als Höski außer Sicht war.

„Weil es ihm dann mehr Spaß gemacht hätte. Er kennt diese Leute kaum und es sind Anfänger. Also muss er aufpassen, dass auch alle mitkommen. Wenn du mitgeritten wärst, dann wärst du hinter allen geritten und hättest aufgepasst.“

Svenja grinste jetzt mit Monique und war froh, dass sie nicht mitgeritten war.

„Aber du hättest ruhig mitreiten können. Die Boxen hast du ja schon fast fertig.“ Monique sah sie an.

Svenja wurde rot. „Weißt du, es ist so, dass ich mein Geld fast schon aufgebraucht habe und ich will doch nächstes Wochenende wieder kommen.“ Sie brach ab, aber Monique hatte schon verstanden.

„Du bist vielleicht eine. Für den Ausritt hätte Höski dir doch nichts berechnet. Und auch die Hallenstunde war umsonst. Dafür arbeitest du ja an dem Wochenende hier.“

Svenja schüttelte den Kopf. „Aber Olé und Höski helfen mir ja auch bei dem Referat. Und soviel habe ich ja auch nicht getan.“

Monique wischte ihre Bedenken mit einem Handzeichen fort. „Das machen die beiden doch gerne. Und überleg dir mal, wenn Gunnar an diesem Wochenende eine Hilfe eingestellt hätte, was es ihn dann gekostet hätte.“

Svenja wollte noch was erwidern, aber Monique ließ keine Diskussion zu. „Du gehörst doch fast schon zum Team, merkst du das denn nicht?“ fragte sie.

Svenja nickte glücklich. „Doch und es ist einfach toll.“

Sie wollte zu ihren Boxen zurück gehen, aber Monique hielt sie noch einen Moment zurück. „Ich wollte dir noch sagen, dass du jederzeit zu uns kommen kannst. Egal warum, auch wenn du nicht reitest oder kein Geld mehr hast. Okay?“ Monique wusste, dass die anderen genauso dachten.

Svenja sah sie ernst an. „Du sprichst nicht nur für dich?“

Monique schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß, dass die anderen genauso denken. Und bei Gunnar und Geiry bin ich auch sicher.“

Svenja lachte. „Super, ich habe mir schon so lange richtige Freunde gewünscht.“ Dann ging sie endlich los, um den Rest der Boxen zu misten. Sie war gerade fertig, als ein lachender Höski mit seiner Gruppe auf den Hof geritten kam. Svenja nahm zwei Frauen die Pferde ab und sah Höski fragend an. Doch er schüttelte nur leicht den Kopf.

„Ich erzähl es Dir später,“ flüsterte er ihr zu.

Svenja versorgte die Pferde und konnte sehen, wie Höski der einen Frau den Arm um die Schultern legte.

Monique sah ihm auch schmunzelnd hinterher. „Jetzt hat er wieder ein Opfer.“

Svenja lachte auch, dann gingen sie duschen. Beide hatten es bitter nötig.

„Wenn du willst, dann kannst du bei Geiry duschen gehen,“ schlug Monique vor.

Doch Svenja schüttelte den Kopf. „Nein lieber nicht.“

Monique zuckte mit den Schultern. „Okay, dann lern ihn erst mal kennen. Solange benutze ich die Dusche. Die ist viel besser als die andere. Aber du willst es ja so.“

Svenja sah ihre Freundin verdutzt an. „Woher weißt du?“

„Was? Das du Angst hast Geirys Dusche zu benutzen ohne ihn vorher zu fragen? Ich kenne dich doch.“

Sie verschwanden lachend unter den Duschen und eine halbe Stunde später trafen sie sich in der Kneipe. „Wer kocht denn heute?“ fragte Olé grinsend und sah Monique und Svenja an.

„Rechne nicht mit mir, Olé. Ich kann nicht kochen, ich kann nur vergiften,“ sagte Svenja erschrocken.

Monique lachte. „Bei mir sieht es nicht anders aus und das weißt du.“ Höski flirtete immer noch mit der Frau. Olé rief ihm auf Isländisch zu, dass die Mädchen sie verhungern lassen wollten. Doch Höski ließ sich nicht stören. „Wozu gibt es denn Pizza-Taxis?“ fragte er.

Monique nickte und griff zum Telefonhörer. „Wer will was?“ rief sie und schrieb die verschiedenen Wünsche auf.

Es dauerte auch nicht lange, da kam die Pizza auch schon. Svenja angelte nach ihrer Börse, doch Olé und Höski hielten sie auf.

„Das bezahlen wir aus der Kasse,“ sagte Olé.

Svenja wollte ablehnen, doch Olé ließ keine Diskussion zu. „Du arbeitest hart hier und wir sind froh, dass du da bist, ehrlich.“

Svenja umarmte die beiden kurz und dann verzogen sie sich in die Küche, um zu essen.

„Was steht denn heute noch auf dem Programm?“ fragte Monique in Olés Richtung.

Olé sah auf seinen Terminplaner. „Gegen 15.00 Uhr kommt noch eine Gruppe von 3 Leuten zur Reitstunde. Anfänger.“ Er sah Monique bedeutungsvoll an.

„Gut überredet, ich übernehme sie. Aber nur, weil schon alle Boxen fertig sind.“ Sie nickte Svenja zu.

„Dann kommen um 15.30 Inka, Britta und Steffi. Die wollen ausreiten. Wer meldet sich freiwillig?“ fragte Olé.

„Ich habe da noch die Anfänger,“ lachte Monique und freute sich wie ein kleines Kind.

Höski sah auf Svenja und schüttelte den Kopf. „Ich werde Svenja noch eine Stunde geben. Sie kann es vertragen. Außerdem kann sie dann bald Ausritte und Stunden übernehmen.“

Svenja hätte sich beinahe verschluckt, so freute sie sich über das Kompliment. „Das ist aber nicht nötig, Höski. Aber es ist sehr lieb von dir.“ Svenja sah nicht, dass Höski vorsichtig den Kopf schüttelte. „Wir können doch einen Ausritt mit den dreien machen. Dann kannst du mir auch eine Menge beibringen.“

Höski schüttelte stöhnend den Kopf.

Olé grinste. „Dann wäre das Thema ja auch geklärt. Und ich übernehme dann die Stunde um 16.30 h.“ Er klappte den Terminkalender zu.

„So weit so gut und wer macht heute Abend die Kneipe?“ fragte Monique, die sich nicht schon wieder hinter den Tresen stellen wollte.

„Wenn ihr mir vertraut, dann mache ich es. Ihr müsst mir nur mit den Preisen helfen. Alles andere habe ich schon oft gemacht.“ Svenja sah von einem zum anderen.

Die beiden Jungs grinsten und auch Monique nickte beifällig. „Super, dann haben wir ja heute unseren freien Abend“, grinste Monique.

„Woher kannst du denn das alles?“ fragte Höski.

Svenja lachte. „Mein Ex-Freund hatte eine Kneipe und da habe ich oft geholfen und misten ist wohl keine Kunst, oder?“

Monique sah auf die Uhr und sprang auf. „Tut mir leid, aber ich habe nur noch 1/4-Stunde Zeit, um die Pferde fertig zu machen.“ Sie räumte den Teller in die Geschirrspülmaschine und verschwandt. Svenja wollte ihr helfen, aber Höski hielt sie zurück. „Keine Panik, die Anfänger müssen selbst satteln. Du kannst also ruhig hier bleiben. Außerdem stehen die Pferde in den Außenboxen.“

Svenja nickte. „Welche Pferde müssen wir denn gleich fertig machen?“

Höski seufzte. „Das ist ein Problem. Inka ist so schlecht, dass sie uns jedes Pferd versaut. Britta reitet zwar ganz gut, aber sie hat kein Gefühl für die Pferde. Sie ist zu hart. Und Steffi sollte besser Motorrad fahren. Aber alle drei halten sich für sehr gut und wollen nur unsere besten Pferde haben. Vielleicht hast du eine Idee?“ Er sah hoffnungsvoll auf Svenja.

Sie überlegte eine Weile, dann grinste sie. „Gibt es ein Schulpferd, dass Inka erträgt?“ fragte sie.

Olé nickte. „Ja, Twistur müsste ihren Stil ertragen können. Aber den reitet sie nie.“

„Dann sagt ihr doch einfach, dass der arme Kerl endlich mal einen guten Reiter braucht“, sie zwinkerte den beiden zu.

„Das ist gut. Mensch, dann können wir Steffi auf Hetja setzen und Britta setzen wir auf Gráni. Obwohl keines unserer Pferde solche Reiter verdient hätte.“ Olé zuckte mit den Schultern. Sie konnten es sich nicht leisten Reitschüler abzulehnen.

„Welche Pferde nehmen wir?“ wollte Svenja wissen.

Höski überlegte nicht lange. „Du kannst Rubin nehmen. Und ich werde Sirkus nehmen. Dann sind wir auf jeden Fall schneller als die drei und du kannst bei mir vorne reiten.“

Svenja schluckte. „Du meinst ich soll Geirys Pferd nehmen?“

Höski sah Svenja aufmerksam an. „Já warum nicht?“

„Ich weiß nicht ob es Geiry recht wäre. Immerhin ist Rubin nicht irgendein Pferd.“

„Natürlich ist es nicht irgendein Pferd. Aber es ist okay. Du bist gut genug für ihn. Und wenn du Pass lernen willst, solltest du einen Fünfgänger reiten“, gab Höski zurück.

„Wenn du solche Angst vor Geiry hast, dann nimm eben Stormur“, sagte Olé.

Svenja lachte ihm dankbar zu. „Ich habe keine Angst vor Geiry. Ich kenne ihn nicht mal. Deshalb möchte ich auch sein Pferd nicht reiten. Aber zu deinem Pferd sage ich nicht nein. Er ist mir vorhin schon aufgefallen, als ich die Box gemistet habe. Ein schönes Tier.“

Olé nickte. „Ja, aber er ist nicht ganz einfach. Also pass ein bisschen auf, ja?“

Svenja nickte. Dann räumte sie die Küche auf und ging mit Höski in den Stall. In der Sattelkammer warteten schon Britta und Inka auf Höski. Inka klammerte sich sofort an seinen Arm. „Hallo Liebling, schön dich endlich wieder zu sehen. Reitest du mit uns?“ fragte sie in einem zuckersüßen Ton.

Svenja musste aufpassen, dass sie nicht laut los lachte. Doch Höski ging auf das Theater ein, ohne eine Miene zu verziehen.

„Já, Svenja und ich werden euch begleiten. Ich habe da aber noch eine Bitte an euch drei.“

Inka und Britta sahen ihn an und Steffi schlenderte von den hinteren Boxen heran. „Ja was können wir denn für dich tun?“ fragte Inka.

„Unsere Schulpferde müssten mal wieder vernünftig geritten werden. Ihr seid doch gut, dann könntet ihr ein paar Fehler korrigieren, oder?“

Alle drei fühlten sich geschmeichelt und nickten. Aber auch jetzt grinste Höski nicht. „Gut, dann bekommt Inka Twistur, Britta Gráni und Steffi, du nimmst bitte Hetja.“ Höski drehte sich sofort um und zog Svenja mit nach draußen. Jetzt blieb den drei Frauen nichts anderes übrig, als die genannten Pferde zu satteln.

Höski und Svenja machten sich auch ihre Pferde fertig und warteten auf die drei im Innenhof. „Hoffentlich werden die heute noch fertig“, brummte Höski.

Svenja sah ihn an. „Sei doch nicht so. Sie sind doch ganz nett.“

Höski schnaubte. „Du kennst diese Biester noch nicht. Am liebsten wäre es mir, wenn sie nicht mehr kämen.“ Doch in diesem Moment kamen die drei um die Ecke und Svenja schluckte. Steffi und Inka saßen wirklich schief im Sattel. Svenja fragte sich, ob man so überhaupt reiten konnte. Sie sah Höski fragend an, der sich kaum das Lachen verkneifen konnte.

„Können wir?“ fragte er.

Inka ritt neben ihm. „Kann ich neben dir reiten?“ fragte sie bittend.

„Tut mir leid, aber ich muss ein bisschen auf Svenja hier aufpassen. Sie ist noch nicht so gut. Das verstehst du doch, mein Lieb?“ fragte Höski und zwinkerte Svenja zu.

Inka nickte und ritt zu Steffi und Britta zurück. Die drei zockelten hinter Svenja und Höski her. „So brauchen wir das Elend wenigstens nicht zu sehen“, sagte Höski grinsend.

Svenja lachte. „Also ich reite noch nicht so gut, was?“

Höski zuckte mit den Schultern. „In solchen Fällen ist alles erlaubt.“

Svenja sah ihn von der Seite an. „Was denkst du ehrlich über meine Reiterei?“

Höski wurde ernst. „Das weißt du doch. Ich denke, dass du mit etwas Übung zu den Besten gehören könntest.“

Svenja wurde rot vor Freude über dieses Kompliment. „Danke.“

Dann galoppierten sie den Berg rauf und Steffi fiel vom Pferd. Svenja konnte zwar nicht verstehen, wie man beim bergauf reiten rückwärts vom Pferd fallen konnte. Aber sie verkniff sich jeden Kommentar. Gott sei Dank hatte sie sich nichts getan. Höski schüttelte den Kopf und half ihr wieder aufs Pferd. Dann beendete er den Ausritt so schnell wie möglich. Als sie wieder zu Hause waren und Svenja alle Pferde versorgt hatte, rief er sie zu sich.

„Tu mir bitte einen Gefallen, ja?“ fragte er leise in der Sattelkammer.

Svenja nickte. „Klar, was denn?“

„Spiel einfach mit, damit ich endlich Inka loswerde. Ich kann sie nicht ausstehen. Und dann sollten wir noch mal nach deinem Referat sehen. Mir ist da noch was eingefallen.“

Svenja nickte lachend. „Alles was du willst, Liebling.“

Sie hatte schon verstanden und Höski nickte befriedigt. Engumschlungen betraten sie die Kneipe und Inka wäre beinahe das Glas aus der Hand gefallen. Doch so schnell gab sie nicht auf. Sie bestellte etwas und stellte sich neben Höski. „Hier für den tollen Ausritt“, sagte sie und drückte Höski den Drink in die Hand.

Doch Svenja schaltete schnell. Sie roch an dem Glas und gab es Inka zurück. „Du solltest wissen, dass er Whiskey-Cola lieber trinkt. Also trink den Pernot selbst.“ Dann machte sie Olé ein Zeichen und nahm einen Whiskey-Cola entgegen. „Hier Liebling, das hast du dir verdient“, sie sah ihm tief in die Augen.

Inka hätte ihr am liebsten den Pernot ins Gesicht geschüttet. „Was machst du denn heute Abend, Höski?“ fragte sie lächelnd.

Höski sah auf Svenja. „Haben wir heute Abend schon was vor?“ fragte er liebevoll.

Svenja nickte. „Ja, ich habe heute Abend Thekendienst.“ Sie sah auf Inka und bemerkte ihren Patzer.

Sofort bekam Inka Oberwasser und himmelte Höski an. „Wie wäre es wenn wir ins Kino gingen?“ fragte sie dreist.

Höski hätte sich beinahe verschluckt. „Ohne Svenja gehe ich nicht ins Kino. Wir bleiben heute hier.“

Inka lächelte. „Gut dann kommen wir auch. Ist doch besser wenn mehr Leute hier sind.“

Svenja konnte es nicht glauben, dass Inka nicht auf ihr Theater reinfiel. Diese Frau war wirklich zu blöde. Svenja zwinkerte Höski heimlich zu, dann schlang sie ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn. Höski war im ersten Moment etwas verdutzt, aber dann spielte er mit.

Inka war so wütend und verletzt, dass sie zahlte und sofort ging. Steffi und Britta folgten ihr.

„Gott sei Dank, die sind wir los. Ich dachte schon ich müsste dich auf der Billiardplatte vergewaltigen, damit sie es aufgibt“, stöhnte Svenja.

Olé sah von Höski auf Svenja und wieder zurück. „Was war das denn jetzt?“ fragte er.

„Theater, warum?“ Svenja lachte ihn an. „Einem Freund muss man doch helfen, wenn er in der Klemme steckt, oder?“

Olé schluckte. „Aber, doch nicht so.“

„Doch Olé sonst hätte sie es ja nie kapiert. Aber jetzt beruhig dich. Ich fange nichts mit Höski an.“ Svenja lachte Olé aus und ging mit Höski nach oben.

Sie sahen sich noch mal den Aufbau des Referats an und Höski änderte ein paar Kleinigkeiten. Svenja nickte beifällig. „Toll, dann muss ich es morgen nur noch abtippen. Hoffentlich wird es gut.“

Höski nahm sie in den Arm. „Mach dir keine Sorgen, elskan. Wenn es daneben geht, dann besuchen wir alle deine Mutter. Wenn sie uns kennt, dann darfst du auch wieder kommen.“

Svenja lehnte sich an ihn. „Es ist schön so tolle Freunde zu haben.“

Monique kam ins Zimmer und grinste Svenja an. Svenja grinste zurück. „Du brauchst jetzt nichts zu sagen und erst recht nichts zu denken. Es ist nichts, egal was Inka, Olé oder sonst wer gesagt hat. Okay?“

Monique lachte. „Das ist doch klar. Ich wollte dich auch nur daran erinnern, dass Olé auf deine Ablösung wartet.“

Svenja sprang auf. „So spät ist es schon, dann will ich den armen Kerl mal ablösen.“ Höski begleitete sie und auch Monique kam in die Kneipe. Es dauerte nicht lange, dann ging die Kneipentür auf und Georg kam mit Richard herein. Die Jungs aus dem Dorf kamen auch noch und schon bald war die Kneipe voll und Svenja hatte alle Hände voll zu tun. Aber es machte ihr Spaß und sie hatte alles gut im Griff. Höski und Olé waren begeistert. „Mensch du kannst das ja besser, als wir;“ meinte Olé.

Svenja nickte. „Ich habe das über 3 Jahre lang fast jeden Abend gemacht. Da macht mir keiner was vor.“

Monique bot ihre Hilfe an, aber Svenja lehnte dankend ab. Sie hatte alles im Griff. Dieses Mal trank sie nicht mit und so erlebte sie den ganzen Abend nüchtern. Als es ruhiger wurde zog Höski sie hinter der Theke hervor. „So und jetzt tanzen wir, elskan.“

Svenja lachte und ließ sich von ihm durch den Raum schwenken. Um 2.00 Uhr schloss sie ab, denn sie wollte auf keinen Fall Ärger mit irgendwelchen Ämtern bekommen. Von wegen Sperrstunde.

Es wurde schon langsam hell als Georg und Richard auch endlich gingen. „Jetzt lasst uns schnell ins Bett gehen. In zwei Stunden müssen wir füttern“, sagte Svenja gähnend und jagte den Rest aus der Kneipe.

Sie war todmüde und fiel sofort ins Bett.

 

 

 

„Hmmm du redest doch jetzt nicht von unserem Höski?“ fragte Jördis Svenja plötzlich und Svenja musste erstmal in die Gegenwart zurück kommen.

„Doch genau der. Höski ist  immer unser Freund geblieben“, antwortete sie ihrer Enkelin.

Jördis sah ihre Amma schweigend an. „Und du warst nicht mal ein kleines bisschen in ihn verliebt?“

Svenja dachte nach, versuchte die Gefühle von damals nachzufühlen, dann schüttelte sie lächelnd den Kopf.

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Über skydla

Ich bin eigentlich eine ganz normale Frau, die gerne lacht, die arbeitet, die in einer festen Beziehung ist und 2 Kinder hat. Meinen richtigen Namen möchte ich aber dennoch nicht nennen, da ich Autorin von BDSM-Geschichten bin. Teilweise habe ich die Geschichten selbst erlebt, teilweise entstammen sie aus meiner Fantasie und teilweise sind es Szenen, die da einfach hingehören *smile. Ich bin offen für vieles, bei weitem nicht für alles und bin auch sehr komunikativ! Also wenn wer was wissen will.....einfach fragen.
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