Leseprobe: Im Rennpass ins Glück

Kapitel 3 – Geiry

Svenja machte eine Pause und sah auf ihre Enkelin runter. „Vielleicht verstehst du es nicht so ganz, denn du gehst ja mit deinen Freunden in die gleiche Klasse.“ Jördis dachte einen Moment nach. „Ich stelle es mir schwierig vor, irgendwie wie ein Doppelleben.“ Sie runzelte die Stirn. „Und deine Mutter war sehr streng oder?“

Svenja musste grinsen, denn das hatte sie früher auch oft gedacht. „Weißt du heute verstehe ich sie. Aber jetzt kommen wir zu der Stelle, wo ich Geiry zum ersten Mal begegnet bin.“

Jördis Augen blitzten auf. „Dann erzähl, ich bin furchtbar neugierig.“

 

Am nächsten Morgen standen vier Stunden Deutscharbeit auf ihrem Plan, dann hatte sie zwei Freistunden und dann folgten nach der Mittagspause noch zwei Stunden Mathe. Der Tag ging wider Erwarten schnell vorbei und Svenja freute sich sehr darauf am Mittwoch ihre Freunde wiederzusehen. Etwas nervös betrat sie am Mittwochabend den Stall. Doch Monique kam ihr schon auf halben Weg entgegen. „Hi, schön dass du endlich da bist. Die anderen Reitschüler sind noch in der Kneipe bei Gunnar und Geiry.“

„Welches Pferd hast du mir denn heute zugedacht?“ fragte Svenja und versuchte ihre Stimme unter Kontrolle zu halten.

Monique sah sie von der Seite an. „Du bist doch nicht nervös oder?“ lachte sie.

„Du hast gut reden. Ich kenne Geiry nicht, Höski hat ihm wahrscheinlich erzählt, dass ich super toll reiten kann und was ist wenn ich vom Pferd falle?“ fragte sie nervös.

„Dann steigst du eben wieder auf“, sagte Geiry hinter ihr.

Svenja schnellte herum. Sie kam sich jetzt total blöde vor und wurde rot.

„Ist doch keine Sache, oder? Wenn Höski sagt, dass du gut reitest stimmt das schon. Aber auch jemand der gut reitet fällt ab und an runter.“ Er musste sich ein Lächeln verkneifen.

„Ich komme dir wohl ziemlich blöd vor, oder?“ fragte Svenja zerknirscht.

„Nein, aber jetzt solltest du sehen, dass du mit deinem Pferd in die Halle kommst, okay?“ Damit ließ er sie stehen und schlenderte in Richtung Halle davon.

„Scheisse“, fluchte Svenja vor sich hin. Monique konnte ihr Lachen kaum noch unterdrücken. Sie zeigte auf eine Box. „Da steht Kraki“, brachte sie noch hervor, dann rannte sie aus dem Stall. Svenja konnte ihre Freundin vor dem Stall lachen hören. Diese Stunde fing ja toll an. Schnell machte sie ihr Pferd fertig und führte ihn in die Halle.

„Haste dich jetzt wieder beruhigt?“ fragte Svenja sauer, als sie Monique vor dem Stall traf.

Monique nickte ernst. „Ja, tut mir leid. Aber es war zu komisch.“

Mit verkniffenem Gesicht drückte Svenja ihr das Portemonai und den Autoschlüssel in die Hand. „Pass gut drauf auf.“

Mit zitternden Knien ging sie in die Halle. Sie war die erste und wollte gerade aufsteigen, als Geiry zu ihr trat. „Alles in Ordnung?“ wollte er wissen.

„Ja, klar.“ Sie wusste nicht was sie sagen sollte.

„Gut, dann pass auf. Kraki hat jetzt fast 4 Wochen gestanden. Er ist ein bisschen schwierig. Aber du schaffst das schon“, meinte er ruhig.

Diese Information beruhigte Svenja nicht unbedingt. Sie erinnerte sich genau an die warnenden Worte von Monique am Wochenende. Mit einem Blick sah sie, dass die Kneipe voll war. Wenn sie runterfiel, dann hätten jede Menge Leute was zu gucken. Geiry war ihrem Blick gefolgt.

„Achte nicht auf sie. Die meisten sehen eh nicht zu.“ Dann ging er zu einem Stuhl, der in der Mitte der Halle stand und machte es sich bequem. Irritiert sah Svenja ihm zu. So was hatte sie noch nie erlebt. Kopfschüttelnd schwang sie sich in den Sattel und noch ehe sie die Zügel aufnehmen konnte, schoss Kraki los. Je mehr sie versuchte ihn zu bremsen, desto schneller wurde er. Ihr kamen Höskis Worte in den Sinn. Sehr viel vorsichtiger versuchte sie Kraki zu parieren, aber es half nichts. Langsam bekam sie Panik. Als sie an der Hallentür vorbei kamen, scheute Kraki und bockte Svenja ab. Geiry kam sofort zu ihr. „Alles in Ordnung? Hast du dir wehgetan?“ fragte er besorgt.

„Nein, ich bin nur sauer. Aber das musste ja wohl passieren.“ Wütend klopfte sie ihre Reithose ab und fing ihr Pferd ein. Die anderen Schüler kamen jetzt auch in die Halle.

„Schade das schönste haben wir scheinbar schon verpasst“, rief Horst lachend.

„Hör nicht hin“, beruhigte Georg sie, „er ist schon so oft vom Pferd gefallen, dass wir gar nicht mehr lachen.“

Svenja lächelte ihm dankbar zu. Ihr war der Spaß vergangen. Verlegen ging sie mit Kraki an der Hand zu Geiry.

„Scheinbar bin ich nicht gut genug für ihn. Würdest du mir bitte ein anderes Pferd geben?“

„Nein, wieso? Ob du gut genug bist oder nicht werde ich entscheiden. Und du bist nicht der erste den Kraki abbockt. Können wir anfangen?“ fragte er zu den anderen gewandt.

Was blieb ihr anderes übrig, als sich wieder in den Sattel zu schwingen. Dieses Mal konnte sie die Zügel aufnehmen und schaffte es sogar im Schritt anzureiten. Doch schon nach der kurzen Seite merkte sie, wie sie mehr und mehr die Kontrolle über das Pferd verlor. Geiry beobachtete sie genau. Kraki war sehr schwierig, dass wusste er.

„Ich bekomme ihn nicht gehalten“, rief Svenja.

Geiry stellte sich auf den Hufschlag und sah den beiden gelassen entgegen. Entsetzt bemerkte Svenja, dass sie genau auf ihn zurasten. Sie wollte schon an ihm vorbei lenken, als er eine Hand ausstreckte und Kraki ins Zaumzeug griff. Schnell trat er einen Schritt zur Seite und sah Svenja grinsend an. „Hast du ein Problem?“ fragte er.

Sie konnte kaum fassen was geschehen war. Doch dann musste sie lachen. „Nein, jetzt nicht mehr. Gib mir doch bitte einen Tipp, wie ich dieses Pferd reiten soll.“

„Lass die Zügel lockerer und nimm die Schenkel weg. Er ist heiß genug“, grinste Geiry.

Svenja beherzigte den Rat und konnte Kraki am Ende der Stunde sogar gezügelt galoppieren, ohne dass er durchdrehte. Als sie die Halle verließen, ging Geiry neben ihr. Er legte ihr einen Arm um die Schultern. „Du solltest öfters Pferde wie Kraki reiten.“

Entsetzt lehnte sie ab. „Danke, ich halte nicht viel davon jede Reitstunde herunter zu fallen. Außerdem bin ich nicht so gut, dass ich solche Pferde wirklich reiten könnte.“

„Du hast es aber doch bewiesen. Kraki ist beinahe perfekt gegangen“, widersprach Geiry.

Svenja hätte ihm gerne erklärt, dass es nur durch ihn möglich war. Nachdem er sie so unspektakulär gestoppt hatte, verlor sie ihre Angst. Vertrauen, schoss es ihr durch den Kopf. „Es war doch nur, weil ich dir vertraut habe“, antwortete sie.

Grinsend drückte Geiry sie an sich. „Genau und dadurch verlierst du Angst und Unsicherheit.“ Sie hatten den Stall erreicht und Geiry machte sich auf den Weg in die Kneipe. Fasziniert sah  Svenja ihm hinter her, bis Monique sie leicht anstieß.

„Die anderen haben ihre Pferde bereits versorgt“, sagte sie lachend.

„Tut mir leid. Ich beeile mich und helfe dir dann beim füttern, okay?“ Schnell sattelte sie ihr Pferd ab und griff sich die Eimer, die Monique füllte.

„Sag mal Geiry, ist er immer so ruhig?“ fragte sie, als die beiden Frauen das Heu verteilten.

„Ja, warum fragst du?“

„So einen Reitlehrer habe ich noch nie gehabt. Ich meine, keiner konnte mir bisher helfen, wenn eins meiner Pferde durchgegangen ist. Da hieß es immer abwarten bis es von alleine langsamer wird.“ Svenja war völlig verwirrt. „Du hast es doch gesehen und weißt was ich meine.“

„Geiry weiß was er tut. Immerhin reitet er nicht erst seit gestern. Aber frag mich jetzt nicht wie lange er schon reitet. Ich weiß es wirklich nicht. “ Forschend sah Monique die Freundin an. Dann grinste sie breit, denn den Gesichtsausdruck kannte sie sehr gut.

„Komm wir gehen noch in die Kneipe. Und jetzt gibt es keine Widerrede.“

In der Kneipe wurde Svenja sofort von einem grinsenden Olé in Empfang genommen. „Du warst richtig gut.“

„Danke, ich weiß es jetzt zu schätzen, dass du mir Kraki am Sonntag nicht gegeben hast. In Zukunft werde ich auf solche Pferde verzichten.“

„Kommt nicht in Frage. Du musst dich nur daran gewöhnen“, mischte Geiry sich ein. Svenja wollte nicht mit ihm streiten, außerdem wusste sie jetzt schon genau, dass sie jedes Pferd reiten würde, das Geiry ihr gab. „Ich gebe mich geschlagen, aber jetzt muss ich los. Ich danke dir für die Stunde“, damit bezahlte sie und verließ die Kneipe. Geiry sah ihr lächelnd hinterher.

„Jetzt hat sie mir nicht mal gesagt, was aus ihrem Referat geworden ist“, maulte Höski.

„Ich rufe sie morgen sowie so an, dann kann ich fragen“, beruhigte Monique ihn.

Langsam fuhr Svenja nach Hause. Sie hatte völlig vergessen, dass die Note für ihr Referat noch ausstand. Es war ja auch nur eine vorläufige Bewertung, die zusammen mit der Note für den Vortrag des Referates die Gesamtnote ergeben würde. Sie freute sich jetzt nur darauf Geiry wiederzusehen. Dieses Vertrauen was er ihr einflösste war so stark, dass sie es selbst fast nicht glaubte. Immerhin war er ein Fremder für sie. Immer noch in Gedanken ging sie in ihre kleine Wohnung, ohne auf ihre Eltern zu achten. Ihre Mutter stand kurze Zeit später in der Tür.

„Sag mal geht es dir gut?“ fragte sie besorgt.

„Ja, warum fragst du?“

„Du kommst hier herein wie ein Schlafwandler. Außerdem hast du noch nichts von deiner Note in Erdkunde gesagt. Ist es so schlimm wie ich erwarte?“ Auffordernd sah die Frau sie an.

„Note? Ach du meinst das Referat. Nein, ich habe noch keine Beurteilung bekommen. Und jetzt möchte ich noch etwas lernen.“ Svenja hatte bestimmt keine Lust sich jetzt mit ihrer Mutter zu unterhalten.

„Was willst du denn um 22.30h noch lernen?“

Verdutzt sah Svenja auf die Uhr. Sie hatte nicht mal mitbekommen, wie spät es schon war. „Dann gehe ich jetzt ins Bett. Gute Nacht Mama.“ Sie verschwand im Schlafzimmer und ließ eine ziemlich verdutzte Mutter zurück.

Der nächste Tag rauschte so an Svenja vorbei. Sie hatten nur 6 Stunden so war sie schon um 13.30h. zu Hause. Ihr Erdkundelehrer hatte immer noch keine Zeit gefunden, um die Arbeiten durchzusehen. Aber es war ihr auch egal. Svenja überlegte, ob sie zum Eichenhof fahren sollte oder nicht. Andererseits sollte sie vielleicht besser für die Mathearbeit morgen lernen. In ihre Überlegungen hinein klingelte das Telefon.

„Hi ich bin’s“, rief Monique ihr entgegen.

„Schön dass du anrufst. Ich habe mir gerade überlegt, ob ich lieber Mathe lerne oder zu euch rüberkomme“, lachte Svenja.

„Und ich wollte fragen, ob du am Wochenende schon was vor hast.“

„Nein, bis jetzt noch nicht. Warum?“ Sie wurde neugierig.

„Naja, Gunnar und Ásta wollen Samstagabend gerne ins Kino und da habe ich angeboten, dass ich jemanden für die Kneipe besorge. Und Sonntag kommen gleich 3 Anfängergruppen, die schaffe ich nicht alleine. Höski und Olé haben dich in höchsten Tönen bei Gunnar gelobt und er ist einverstanden dich bis auf weiteres als Wochenendhilfe einzustellen.“

„Moment mal“, unterbrach Svenja. „Was heißt hier einstellen?“

„Naja, der Verdienst ist sehr klein. Gratis Reitstunden, Kost und Logis. Und wenn du was anderes vorhast, dann müsstest du es mit Gunnar absprechen. Und in der Woche gäbe es dann auch keine Gratisreitstunde.“ Monique war immer schneller geworden.

„Mensch da fragste noch. Ich komme gleich nach der Schule. Wenn die Note für das Referat passt. Ich habe es immer noch nicht wieder.“ Ihre Stimme verriet wie besorgt Svenja war.

„Mach dir keine Sorgen. Es wird schon“, tröstete Monique.

„Ich will nicht wieder alle meine Freunde verlieren. Verstehst du“, jammerte Svenja.

Monique lachte. „Du verlierst uns nicht, nur weil du einige Zeit vielleicht nicht kommen kannst. Wir kommen dann zu dir.“

„Ich nehme dich beim Wort und jetzt lerne ich wirklich für Mathe. Wir sehen uns ja morgen“, verabschiedete sich Svenja.

Strahlend drehte sie sich um und begegnete dem Blick ihrer Mutter.

„Du willst also wieder das ganze Wochenende auf diesem Hof bleiben?“ fragte sie unwillig.

„Ja werde ich. Unsere Abmachung steht und solange ich keine Note habe, kann ich dorthin oder nicht?“ herausfordernd sah sie die Frau an.

„Wann willst du denn mal lernen?“

„Ich verzichte in der Woche auf fast jedes Vergnügen und lerne wirklich viel. Auch jetzt werde ich nicht zum Eichenhof fahren sondern Mathe pauken. Außerdem kann Höski mir helfen er hat auch Abi.“

„Höski was ist denn das für ein Name?“ Ihre Mutter schnaubte.

„Ein isländischer Name und er passt sehr gut zu ihm.“ Svenja hatte keine Lust mehr sich noch länger mit ihrer Mutter zu streiten und ging auf ihr Zimmer. Es war immer dasselbe Thema. Ihre Eltern glaubten, dass sie die Schule nicht ernst genug nehmen würde. Aber Svenja nahm die Schule verdammt ernst. Sie wollte mal so viel verdienen, dass es für ein eigenes Pferd reichte. Sie nahm sich die letzten Aufgaben noch mal vor und hoffte, dass es ihr jetzt verständlicher würde. Mathe war ein Buch mit sieben Siegeln. Leise fluchte sie vor sich hin, als sie bei der Probe einer Aufgabe ein anderes Ergebnis erhielt. Die Arbeit war schon morgen, also musste sie unbedingt verstehen, wie man solche dämlichen Gleichungen löste. Ihr fiel Martin ein, aber der war ja noch schlechter in Mathe als sie. Dann fiel ihr Höski ein. Ob sie ihn wohl um Hilfe bitten konnte? Unsicher ging sie zum Telefon und rief auf dem Eichenhof an. Geiry meldete sich.

„Hallo Geiry, hier ist Svenja. Kannst du mir bitte Höski geben?“ fragte sie mit zitternder Stimme.

„Ja, “ sagte Geiry merkwürdig ruppig und kurzangebunden.

Svenja hatte aber keine Zeit darüber nachzudenken. Schon meldete sich Höski.

„Hallo mein Lieb, hast du Sehnsucht nach mir?“ fragte er frech.

Svenja lachte. „Ja, das auch. Sag mal hast du Ahnung von Gleichungen, Mathe?“

„Ja, du auch?“ Er lachte und nahm Svenja gerne auf den Arm.

„Nein, eben nicht und ich schreibe morgen eine Arbeit darüber. Was soll ich denn machen?“ Sie hörte sich ziemlich verzweifelt an.

„Hey, elskan, nur keine Panik. Ich habe jetzt Zeit, wenn du willst, dann komme ich gleich rüber. Oder du kommst her“, sagte er sanft. Höski hatte schon bemerkt, dass Svenja es ernst meinte.

„Wenn du kommen kannst, dann wäre ich dir sehr dankbar. Außerdem können meine Eltern sich dann überzeugen, dass du kein Penner, Dieb oder was Schlimmeres bist.“ Svenja lachte leise.

„Gut, ich bin in einer halben Stunde bei dir.“

Aufatmend legte Svenja den Telefonhörer auf und begegnete dem fragenden Blick ihres Vaters.

„Ich habe einen meiner neuen Freunde gebeten mir bei Mathe zu helfen. Ich verstehe da nur Bahnhof und er kann es. Höski wird gleich hier sein, kann er mit uns essen?“ fragte sie bittend.

„Das musst du mit deiner Mutter absprechen. Aber ich freue mich, dass man mal einen deiner Isländer zu sehen bekommt“, antwortete der Vater ruhig.

Svenja lächelte ihn an. Mit ihm verstand sie sich besser als mit ihrer Mutter. Er regte sich nicht immer gleich so auf. Seufzend schlenderte sie in die Küche.

„Mama? Ich bekomme gleich Besuch, weil ich diese dämlichen Gleichungen in Mathe nicht verstehe. Kann einer mehr mitessen?“ fragte Svenja vorsichtig.

„Natürlich kann Martin mitessen. Das weißt du doch“, antwortete die Mutter erstaunt.

„Martin ist in Mathe noch schlechter als ich. Nein, es kommt jemand vom Eichenhof. Ich habe dir doch von Höski erzählt. Er hat versprochen zu helfen. Ich kapier es wirklich nicht und kann jede Hilfe brauchen.“ Sie sah ihre Mutter bittend an.

„Okay, unter der Bedingung, dass ihr hier in der Küche lernt. Dann sehe ich wenigstens, dass ihr lernt und nichts anderes macht.“

Svenja gab nach. Nur so konnte sie ihre Mutter beruhigen. Es war zwar ziemlich peinlich, aber Höski würde es verstehen.

Kurz darauf klingelte es. Svenja stellte Höski ihren Eltern vor. Am Gesicht ihrer Mutter konnte Svenja ablesen, dass sie angenehm überrascht war. Kein Wunder bei den Gerüchten, die über den Eichenhof im Umlauf waren. Sofort machten sie sich über die Aufgaben her und Höski erklärte Svenja mit einer Engelsgeduld, wie man Gleichungen löste und wo ihre Fehler lagen. Endlich hatte Svenja es kapiert.

„Wir essen gleich. Du bleibst doch, oder?“ fragte sie, als ihre Mutter ihr ein Zeichen gab.

„Nein, danke elskan, aber ich muss in einer halben Stunde mit einer Gruppe ausreiten. Du kommst ja nicht jeden Tag, also muss ich mich auch mit den Anfängern rumärgern.“ Er grinste.

Svenja strich ihm im gespielten Mitleid über den Arm. „Du tust mir wirklich leid. Aber am Freitag Nachmittag bin ich ja wieder da.“ Sie grinste.

Höski verabschiedete sich von Svenjas Eltern und fuhr wieder zum Eichenhof.

„Ein ganz netter junger Mann. Und offensichtlich weiß er, wie wichtig eine gute Schulausbildung für dich ist“, gab ihre Mutter zu. Svenja unterdrückte ein „Siehste-Gesicht“ und nickte nur.

„Also kann ich am Wochenende wieder auf den Eichenhof? Ich könnte dort Arbeit bekommen, um meine Reitstunden zu bezahlen.“ Hoffend sah sie ihre Eltern an.

„Wenn deine Erdkundenote gut ist, dann ja. Und du versprichst, dass du die Schule nicht vernachlässigst.“ Ihre Mutter sah ein, dass sie Svenja nicht verbieten konnte auf den Eichenhof zu fahren. Außerdem hatte Höski einen wirklich guten Eindruck auf sie gemacht. Wenn sie dort war, hatte sie auch gleichzeitig jemanden, der ihr bei den Problemen half. Das war natürlich ein riesiger Vorteil.

Am nächsten Tag war Svenja sehr nervös. Wie immer wenn sie Mathe schrieben. Es war nun mal nicht ihre starke Seite. Doch als sie die Aufgaben sah, konnte sie aufatmen. Sie hatte alles gestern mit Höski geübt und wusste auf einmal nicht mehr, warum sie damit nicht klar gekommen war. Wie immer schrieb der Lehrer die Ergebnisse der Aufgaben an die Tafel, nachdem er die Arbeiten eingesammelt hatte. Svenja verglich ihre Lösungen mit denen an der Tafel und hätte beinahe laut gejubelt. Sie hatte bis auf eine Antwort alles richtig. So gut hatte sie in Mathe noch nie abgeschnitten. Ihr Lehrer sah, wie sie sich freute.

„Na, Svenja, hast du dieses Mal mehr richtig als deinen Namen?“ fragte er mit leisem Sarkasmus.

Svenja überhörte die Stichelei und nickte selig. „Ich habe sogar 4 von 5 Aufgaben richtig. Und ich weiß, dass ich bei der 5. Aufgabe ein Vorzeichen falsch gesetzt habe.“

Der Lehrer nickte zufrieden. Er hatte immer gesagt, dass sie nicht zu dumm sondern nur nicht interessiert genug sei.

In der nächsten Stunde hatte sie Erdkunde und als der Lehrer ihre Referatgliederungen herausholte, wurde Svenja mehr als nur mulmig.

Wie immer spannte er alle auf die Folter. Langsam fing Svenja an zu  beten. So viel hing von ihrer Note ab. Endlich sah der Lehrer zu ihr.

„Wenn du es wirklich so hinbekommst, dann werde ich dir mindestens eine zwei geben müssen“, sagte er langsam.

Jetzt konnte Svenja wieder atmen. Die ganze Zeit hatte sie die Luft angehalten.

„Ich bekomme es hin. Das dürfte kein Problem sein,“ antwortete sie.

Den Rest vom Schultag ging sie wie auf Wolken. In der Pause rief sie auf dem Eichenhof an und erzählte Monique die gute Nachricht.

„Mein Leben ist gerettet. Ich kann weiter zu euch gehören“, seufzte sie.

„Du bist vielleicht doof. Ich habe dir doch schon gesagt, dass wir dich nicht einfach so hätten fallen lassen. Übrigens Geiry hat sich schon erkundigt, ob du am Wochenende kommst“, sagte Monique.

„Warum? Ich meine, ist etwas Bestimmtes?“

„Nein, aber er hat nicht so viel Lust mit den Anfänger auszureiten und da kann er dich so gut brauchen“, lachte Monique jetzt.

Die Klingel störte die beiden. „Ich sehe dich nachher. Wie du gehört hast muss ich die beiden letzten Stunden in Angriff nehmen. Tschau.“ Svenja legte auf und rannte schnell zum Musiksaal. Sie mochte Musik, aber heute war es ihr einfach nur lästig. Aber auch die beiden letzten Stunden vergingen und Svenja konnte endlich nach Hause fahren. Darauf hatte ihre Mutter bestanden. Sie sollte sich wenigstens verabschieden. Schnell holte sie ihre Tasche aus dem Schlafzimmer umarmte ihre Mutter und küsste ihren Vater auf die Wange.

„Wir sehen uns Sonntagabend. Macht euch keine Sorgen, wenn es etwas später wird.“ Damit war sie auch schon aus der Tür.

Auf dem Eichenhof warf sie ihre Tasche in Moniques Zimmer und ging dann in den Stall. Aber weder in der Kneipe noch im Stall konnte sie jemanden finden. Langsam schlenderte sie zur Halle. Hier gab Geiry eine Einzelstunde und seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war der Reiter nicht sehr begabt. Als er Svenja bemerkte, rief er der Frau zu sie solle einfach weiter reiten. Dann kam er an die Tür.

„Hallo mein Lieb, schön das du endlich da bist. Die anderen sind ausgeritten und Gunnar ist mit Ásta einkaufen gefahren.“ Lächelnd sah er sie an.

„Gut, dann werde ich mich jetzt um die Kneipe kümmern, wenn du mir sagst, wie ich rein komme.“ Svenja lächelte zurück.

Geiry zog einen Schlüssel aus der Tasche und ließ ihn in ihre Hand fallen. „Ich komme gleich nach, elskan.“ Dann wandte er sich wieder seiner Schülerin zu. Schmunzelnd ging Svenja wieder die alte, verwitterte Steintreppe hoch. Sie hatte gerade noch gehört, wie die Frau verzweifelt versuchte mit Geiry anzubandeln. Jetzt verstand sie auch, warum er so genervt war. Sie schloss die Tür zur Kneipe auf und stellte sich hinter der Theke. Ásta hatte alles sehr sauber hinterlassen, so dass Svenja jetzt Zeit hatte Geiry zuzusehen. Obwohl diese Reiterin sich so dämlich anstellte, konnte sie sehen, dass Geiry ruhig und ausgeglichen blieb.  Er beendete die Stunde und kam gleich darauf zu Svenja in die Kneipe. Die Reitschülerin folgte ihm auf den Fuß. „Das war eine wundervolle Stunde Geiry. Ich wünschte wir könnten noch einen Ausritt machen.“ Schmachtend sah sie ihn an und ihr Blick sagte, dass sie bestimmt nicht auf einem Pferd reiten wollte. 

„Tut mir leid, Anja. Aber ich habe Svenja versprochen ihr zu helfen. Und wie du weißt ist Freitags abends immer viel los.“ Sofort stellte er sich neben Svenja hinter die Theke. Svenja konnte sich ein Lachen kaum verkneifen. Die Frauen waren hinter den Isländern wirklich her, wie der Teufel hinter der armen Seele. Die Frau sah enttäuscht auf Geiry, doch er hatte sich schon umgedreht und fummelte irgendwas am Schrank hinter ihm.

„Kann ich bitte einen Kaffee bekommen“, fragte Anja jetzt. Ihre Stimme hatte einen harten, eisigen Klang, als sie sich Svenja zuwandte. Gleichmütig nickte Svenja und verschwand in der Küche. Doch gleich darauf rief sie nach Geiry. „Kannst du bitte mal kommen? Ihr habt mir nicht gesagt, wo das Kaffeemehl ist“, rief sie, obwohl sie die Dose schon in der Hand hatte.

Sofort stand Geiry neben ihr. Als er ihr Ablenkungsmanöver sah, musste er grinsen. „Hier im Schrank“, sagte er laut genug, dass Anja es hören musste. „Danke, dass du mich mit ihr nicht alleine gelassen hast“, flüsterte er ihr zu. „Sie ist in der Lage mich sofort auf die Billiardplatte zu zerren.“ Wieder mussten beide grinsen. Zusammen betraten sie den Gastraum und Svenja bemerkte den bösen Blick, den Anja ihr zuwarf. Es dauerte nicht lange, bis die anderen von ihrem Ausritt zurück kamen. Sofort wurde Svenja von ihren Freunden begrüßt. Monique wollte Geiry ablösen, aber sie erhielt nur einen bösen Blick von ihm.

Leise flüsterte sie Svenja zu. „Du kennst Anja bereits?“

Svenja grinste und sah einen Augenblick auf Anja. Sie konnte sie einfach nicht leiden. Antipathie auf den ersten Blick. „Ich hätte gerne darauf verzichtet und sie sicherlich auch“, gab sie ebenso leise zurück.

In diesem Moment wandte sich Anja an Svenja. „Kannst du auch was anderes als tratschen? Vielleicht kannst du mir ja wenigstens etwas zu trinken geben?“ fragte sie überheblich.

Svenja nahm diese Attacke ruhig hin. „Wenn du mir sagst was du möchtest, dann wirst du es sofort bekommen. Aber bisher hast du ja keine Zeit für eine Bestellung gehabt.“ Mit einem bezeichnenden Blick auf Geiry unterstrich sie, was sie nicht aussprechen wollte.

Verärgert sah Anja sich um und hätte sich beinahe verschluckt, als sie die grinsenden Mienen um sich herum sah. „Gib mir einen Vodka, einen doppelten.“

Sofort reichte Geiry Svenja die Flasche und eine passendes Glas. Auf keinen Fall wollte er vor die Theke zurück. Anja sollte ihn einfach nur in Ruhe lassen. Außerdem demonstrierte er, dass er voll und ganz hinter Svenja stand, als er sagte. „Gib ihr ruhig etwas mehr, dann ist sie schnell glücklich, wenn sie mich doppelt sieht.“

Wütend kippte Anja den Vodka hinunter und stürmte aus der Kneipe.

„Geiry mach sie nicht wütend. Sie übernachtet heute hier und wenn du keinen Platz für sie in deinem Bett hast, dann wird sie bei uns schlafen.“ Monique seufzte.

„Oh nein, rechne nicht auf mich, elskan. Eher lasse ich Svenja und dich bei mir schlafen.“ Entsetzt sah er Monique an.

„Das dürfte etwas eng werden“, bemerkte Svenja trocken. Es war natürlich nicht toll mit einer solchen Giftziege das Zimmer teilen zu müssen, aber es würde gehen.

„Was will sie denn schon wieder hier. Erst letzten Monat hat sie mir geschworen sich nicht mehr blicken zu lassen“, sagte Geiry genervt.

„Das war doch nur Ablenkungsmanöver. Siehst du es denn nicht. Seit du mit ihr Schluss gemacht hast, versucht sie dich wieder ins Bett zu bekommen“, erklärte Monique liebenswürdig.

Geiry sah sie ungläubig an. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“

Grinsend nickte Monique. „Oh doch und ob.“

„Dann wird es höchste Zeit, dass ich mir eine Freundin suche.“ Geiry grinste und sah auf Svenja. Sie grinste zurück. In der kurzen Zeit in der sie Geiry kannte, hatte sie ihn sehr zu schätzen gelernt. Mehr fast als alle anderen.

In dieses Gespräch platzten Gunnar und Ásta. Sie stellten sich zu der kleinen Gruppe an die Theke und Ásta grinste Svenja an. „Schön, dass du dich opferst. So kann ich heute richtig ausgiebig mit meinem Mann weggehen.“

Svenja lächelte zurück. „Keine Ursache. Mir macht es Spaß.“

„Du nimmst mein Angebot also an?“ fragte Gunnar.

Geiry sah auf. „Welches Angebot?“

Gunnar erklärte es ihm und Svenja konnte ein Aufleuchten in seinen Augen sehen.

„Die Idee ist klasse. Wir können wirklich noch ein Mädchen für alles brauche. Außerdem sind Ausritte zu zweit geführt viel sicherer.“ Geiry machte ein sehr zufriedenes Gesicht.

„Und zu zweit macht es mehr Spaß. Keine Frauen mehr, die sich einem an den Hals werfen“, bemerkte Höski.

„Dann ist ja alles klar. Aber ich weiß immer noch nicht, ob Svenja damit einverstanden ist.“ Gunnar sah fragend auf die lachende Svenja.

„Bei so viel Beistand kann ich ja nicht nein sagen. Es macht mir wirklich Spaß mit euch zu arbeiten.“

Darauf wurde angestoßen und gleich danach machten sich Gunnar und Ásta fertig, damit sie rechtzeitig ins Kino kamen. Langsam füllte sich die Kneipe und Svenja hatte ziemlich viel Arbeit. Geiry ließ sich nicht davon abbringen, ihr zu helfen. Schon bald flogen Scherzworte durch die Kneipe und die ausgelassene Stimmung lockte auch Anja wieder runter.

„Konnte sie uns nicht mit ihrer Anwesenheit verschonen“, flüsterte Geiry ärgerlich, als sie in der Tür erschien.

„Komm gib ihr eine kleine Chance“, sagte Svenja zu ihm. Doch er konnte sie nur ungläubig anstarren.

„Das ist doch nicht dein Ernst. So wie sie dich eben behandelt hat? Und du setzt dich für das Miststück noch ein?“

Svenja lachte. „Aber Geiry, verstehst du denn nicht warum sie so reagiert? Sie liebt dich und ich bin ihr ziemlich im Weg. Außerdem kennt sie mich nicht.“ In Gedanken fügte sie hinzu, dass sie Anja trotzdem nicht leiden konnte. Aber wenn Geiry mal was mit ihr hatte, wollte sie den beiden bei einem Versöhnungsversuch nicht im Weg stehen.

Monique hatte diese Unterhaltung mitbekommen. „Geiry, ich muss schnell was mit Svenja besprechen. Kannst du bitte kurz übernehmen?“ fragte sie bittend.

„Klar, aber lasst es nicht die ganze Nacht dauern“, gab er lächelnd zurück.

„Aber Monique ich habe zugesagt die Kneipe zu machen. Wir können morgen immer noch darüber sprechen.“ Svenja war allerdings entgangen, dass Geiry sich enttäuscht in eine Ecke zurückgezogen hatte, als sie ihm so offen eine andere Frau ins Bett legen wollte.

Monique zog Svenja mit sich in die Küche. Hier schloss sie die Tür.

„Was soll das Monique? Willst du dass alle meinen, ich sei unzuverlässig?“ fragte Svenja aufgebracht.

„So ein Quatsch. Auch dir steht eine Pause zu. Und jetzt zum Thema. Willst du Geiry eigentlich mit Gewalt wehtun, oder was?“ fragte Monique verärgert.

Svenja verstand nur Bahnhof. „Warum? Ich wollte ihm nur nicht im Weg stehen, wenn er sich mit seiner Freundin versöhnen möchte.“

Seufzend schüttelte Monique den Kopf. „Ich werde dir mal etwas über Anja erzählen. Vor fast drei Monaten tauchte sie hier auf. Machte mit Geiry rum und gab ihm das Gefühl, dass sie es ziemlich ernst meint. Geiry war überglücklich. Doch nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht durfte er sie nicht mal mehr in den Arm nehmen. Nach dem Frühstück stand plötzlich ihr Freund Ingo, unser Pferdetransporteur auf der Matte.“ Monique schluckte. Ihr hatte Geiry so leid getan und sie hätte Anja am liebsten erwürgt. „Naja, auf jeden Fall hat sie dieses Spielchen sehr oft abgezogen und jetzt hat Geiry einfach keine Lust mehr auf sie. Er wird sich nicht mit ihr versöhnen. Er liebt sie nicht mehr. Und sie ihn auch nicht.“

Svenja schloss kurz die Augen. „Was hab ich angerichtet? Wie kann ich es wieder gut machen?“ fragte sie kleinlaut.

„Geh zu ihm und rede mit ihm. Er mag dich“, riet Monique.

Sie gingen zurück in den Gastraum. Kaum stand Svenja wieder hinter der Theke, ging Geiry ins Bett. Traurig sah sie ihm hinter her. Auf keinen Fall wollte sie ihm wehtun. Aber sie konnte jetzt schlecht hinter ihm her rennen.

„Mach dir nichts draus. Ihr bekommt morgen genug Zeit zum reden“, versprach Monique.

Kurz darauf wurde Svenja wieder von ihrer Arbeit abgelenkt. Es wurde sehr spät bis sie endlich ins Bett gehen konnte. Und ihr letzter Gedanke war wieder Geiry.

Am nächsten Morgen begrüßte er sie, als sei nichts gewesen. Immerhin konnte sie es ja nicht besser wissen, sagte er sich. Svenja beschloss alles zu vergessen. Sie wollte nicht schon wieder einen Fehler machen. Beim Frühstück saß sie zwischen Höski und Geiry.

„Okay, wer will heute welchen Ausritt machen und welche Stunde geben?“ fragte Gunnar gut gelaunt. „Ich werde gleich mit den Anfängern ausreiten, aber nur wenn Svenja mitkommt“, sagte Höski.

Doch Geiry protestierte. „Ich werde sie um 14.00h. mitnehmen. Immer soll ich alleine mit den Leuten reiten.“

Monique und Svenja sahen sich an und lachten. „Wenn es so weiter geht, dann kommt Svenja heute nicht vom Pferderücken“, gab Gunnar trocken von sich.

„Es kommen zwei Anfängergruppen zur Stunde um 11.00h. Ich kann unmöglich zwei Gruppen auf einmal übernehmen“, gab Monique zu bedenken.

„Geiry kann dir eine abnehmen“, murrte Höski.

Doch Gunnar schüttelte den Kopf. „Geht nicht. Um 11.00h. kommen auch Horst und Richard und die wollen eine Stunde von Geiry.“

„So kommen wir nicht weiter“, mischte sich Olé ein. „Was liegt heute überhaupt alles an?“ fragte er.

Gunnar holte einen Terminkalender aus einer Schublade und sah kurz rein. „Heute ist echt Stress angesagt. Es stehen 5 Stunden und 4 Ausritte auf dem Plan. Davon sind 2 Stunden und 3 Ausritte für Anfänger. Also 3 Stunden um 11.00h.“

Monique sah Gunnar an. „Ich übernehme eine Anfängerstunde. Ist doch klar.“

„Wenn ihr meint ich kann es schon, dann übernehme ich auch eine“, sagte Svenja leise.

„Natürlich kannst du“, ermunterte Olé sie.

„Gut, dann haben wir um 11.00h. nur noch die Stunde mit Horst und Richard und die wird Geiry übernehmen. Klärt bitte untereinander welche Pferde ihr haben wollt und wo wer unterrichtet. Und das ihr Svenja nicht übervorteilt. Sie traut sich ja kaum was zu sagen“, bemerkte Gunnar lachend.

„Okay, ich reite heute morgen mit den Anfängern alleine aus“, gab Höski sich geschlagen.

„Damit hätten wir die Anfängerstunden verteilt und den ersten Ausritt. Aber wir haben ja noch mehr. Wer will denn gerne mit Steffi, Inka und Britta ausreiten?“ fragte Gunnar freundlich.

Jetzt sah wirklich jeder in eine andere Richtung.

„Wer hat denn um 14.00h. Zeit?“ fragte Gunnar weiter. Niemand reagierte. „Wie sieht es aus Svenja, kannst du die drei unter Kontrolle bekommen?“

Svenja hätte sich beinahe verschluckt. „Das schon, aber ich kenne mich im Gelände nicht aus. Und wenn ich eine von denen nach dem Weg fragen muss, dann tanzen sie mir gleich auf der Nase herum.“ Sie sah bedauernd auf Gunnar.

„Gut, Geiry, du wolltest Svenja doch gerne begleiten um 14.00h. oder?“ fragte Gunnar jetzt weiter.

„Ja, aber ich habe Madeleine und Lisa versprochen mit ihnen ins Gelände zu gehen“, blockte Geiry sofort ab.

„Dann geht eben Höski mit Madeleine und Lisa ins Gelände. Oder möchtest du lieber Anja begleiten?“ fragte Gunnar spitz.

„Ich gebe mich geschlagen. Also reite ich mit Svenja und den drei Grazien.“ Geiry sah ziemlich verärgert aus, aber er hielt sich zurück.

„Olé du hast die Ehre mit Anja und Marlies ins Gelände zu gehen. Die beiden wollen gegen 15.00h. reiten“, bestimmte Gunnar und Olé nickte ergeben.

„Okay, dann gehe ich selbst mit der Anfängergruppe um 16.00h. ins Gelände“, sagte Gunnar.

„Jetzt fehlen uns nur noch 2 Stunden, richtig?“ fragte Geiry.

„Richtig, und da du als Reitlehrer angestellt bist, hast du die Ehre. Eine Gruppe kommt um 16.00h und eine um 18.00h. Und Höski du solltest dich mal wieder auf Sirkus setzen. Er wird übernächste Woche beim Turnier mitgehen. Und denk daran, dass wir noch ein paar andere Berittpferde haben. Zum Beispiel die beiden Braunen, die eingetöltet werden sollen.“ Höski nickte genervt. Er wusste wie seine Aufgaben lauteten. „Gut, damit wäre ja alles klar. Ich bin jetzt im Büro Papierkram machen.“ Gunnar verließ die Küche und Geiry stellte mit Monique und Svenja den Plan für die Stunden auf.

Es war schon 9.00h. also mussten sie sich ziemlich beeilen. Einen Teil der Boxen hatte Monique schon unter der Woche gemistet, aber es fehlten noch einige und die wollten sie jetzt in Angriff nehmen. Sofort waren Svenja und Monique verschwunden. Geiry sah ihnen lachend hinter her. Er freute sich auf den Ausritt mit Svenja, auch wenn Britta, Inka und Steffi ihn ziemlich störten. In seine Gedanken platzte Anja.

„Schön, dass ich dich mal alleine treffe. Neuerdings scheinst du ja auf Schulmädchen zu stehen“, bemerkte sie spitz.

Geiry ließ sich nicht von ihr provozieren. „Was willst du?“ fragte er gelassen.

„Wir sollten uns mal unterhalten, oder nicht?“ Anja lächelte ihn an. Sie hatte ziemlichen Streit mit Ingo und brauchte jemanden der sie ablenkte.

„Ich wüsste nicht worüber. Aber wenn du willst. Ich höre dir zu“, gab er gelangweilt zurück.

„Hast du denn alles vergessen?“ fragte sie mit lockendem Ton.

„Nein, ich habe bestimmt nicht vergessen, wie Ingo in meinem Zimmer stand und du mit ihm abgerauscht bist. Und ich habe auch nicht vergessen, dass du meine Nähe am Morgen danach nicht ertragen konntest. Und ich habe auch nicht vergessen, dass du nie mit Ingo Schluss gemacht hast.“ Jetzt konnte er ruhig darüber sprechen, er hatte es verkraftet. „Und jetzt muss ich zu meiner Stunde.“ Damit ließ er sie stehen und ging.

Natürlich war er fast eine Stunde zu früh im Stall, aber er zog die Gesellschaft der Pferde vor. Langsam ging er zu seinem Pferd und strich ihm leicht über die Stirn. Er sprach leise auf Isländisch auf ihn ein und Rubin schnaubte zufrieden. Svenja konnte die beiden beobachten, während sie die vorletzte Aussenbox mistete. Sie bewunderte seine ruhige Art und wie toll er mit Pferden umgehen konnte. Rubin vertraute ihm vollkommen. Geiry sah sich um, dann rief er nach Monique.

„Kannst du mir bitte Rubin fertig machen? Ich will ihn etwas auf der Bahn reiten. Bin lange nicht dazu gekommen“, bat er freundlich.

Monique tat ihm den Gefallen, dann kam sie zu Svenja. „Wenn du sehen willst, wie gute Reiterei aussieht, dann geh jetzt zur Passbahn. Geiry will trainieren.“

Svenja war gerade mit der Box fertig geworden und ließ sich so was nicht zweimal sagen. Sie legte die Mistgabel weg und schlenderte zur Passbahn. Hier sah sie Geiry gespannt zu. Der war so vertieft in sein Training, dass er Svenja erst nicht bemerkte. Dann ritt er zu ihr und stoppte.

„Hi elskan, willst du mal ein richtig gutes Passpferd reiten?“ fragte er und stieg im selben Moment ab. Svenja zögerte.

„Geiry, ich weiß nicht“, stammelte sie.

Doch Geiry sah sie nur ruhig an und hielt ihr die Zügel hin. Svenja lächelte ihm zu und stieg auf. Das Pferd reagierte auf die kleinste Hilfe. Es war ein Traum Rubin zu reiten. Geiry gab ihr ruhig einige Anweisungen, wie sie Rubin in Pass zu legen hatte. Außerdem korrigierte er, wenn sie einen Fehler machte. Svenja war so glücklich. Sie strahlte richtig, als sie im Rennpass über die Bahn flog.

Monique stellte sich zu Geiry. „Jetzt hast du jemanden glücklich gemacht“, bemerkte sie.

Gedankenverloren antwortete er. „Ja, ich weiß.“

In diese glückliche Stimmung kam Anja. Sie kam geradewegs auf Geiry zu. Monique bemerkte sie etwas früher. „Ich verziehe mich, unser Monster kommt“, flüsterte sie und verschwand.

Geiry verzog leidend das Gesicht, denn Anjas Miene nach würde ein handfester Krach folgen.

„So, Rubin geht es also wieder besser? Mir hast du gestern noch gesagt, dass ich ihn nicht reiten kann, weil es ihm nicht gut ginge“, fuhr Anja ihn an. So langsam wurde Geiry sauer.

„Wer mein Pferd reitet, dass bestimme immer noch ich, klar?“ er sah Anja warnend an. Dann wurde seine Aufmerksamkeit wieder völlig von Rubin und Svenja gefesselt. Sie passte verdammt gut zu seinem Pferd. Und auch zu ihm, wenn er ehrlich war. Svenja ließ Rubin jetzt im Schritt gehen.

„Hey, du Flittchen, komm sofort von dem Pferd runter“, schrie Anja ihr jetzt zu.

Bevor Svenja auch nur eine Antwort geben konnte, hatte Geiry ausgeholt und Anja eine Ohrfeige gegeben. Jetzt saß Anja auf dem Boden und heulte. „Ich habe dir gesagt, dass es meine Sache ist, wer auf dem Pferd reitet. Und sie reitet zehnmal besser als du“, brüllte er. Dann gab er Svenja ein Zeichen, dass sie Schluss machen sollte. Sie hatten nur noch eine halbe Stunde, dann kamen die Reitschüler zur ersten Stunde.

Svenja tat Anja fast leid, doch sie hielt sich nicht bei ihr auf. Im Stall wartete Geiry auf sie.

„Wenn du willst kannst du Rubin jederzeit reiten. Du bist gut genug für ihn”, lächelte er ihr zu.

„Danke, aber ich habe noch eine Menge zu lernen.“ Scheu sah sie ihn an.

„Wegen Anja möchte ich mich entschuldigen. Ich hätte wissen müssen, dass sie so reagiert.“

Ungläubig sah Svenja ihn an. „Bitte, Geiry es war doch nicht deine Schuld.“

Verlegen blickte er auf sie runter. „Es ist meine Schuld, weil Anja dich als Rivalin ansieht. Ich habe ihr wohl nicht deutlich genug gemacht, dass es vorbei ist. Wenn sie Ärger macht, dann sag mir bitte sofort Bescheid.“

In einem Impuls legte Svenja ihre Hand auf seinen Arm. „Keine Angst ich komme schon klar.“

Ihr Gespräch wurde durch eine dämlich grinsende Monique unterbrochen, die mit einer Horde Kinder in den Stall kam. „Wir stören nur ungern, aber die Arbeit ruft.“

Geiry und Svenja lächelten den Kindern entgegen. Sofort teilten sich die Gruppen auf und Monique und Svenja halfen ihnen die Pferde zu satteln. Geiry würde Horst und Richard auf dem Dressurviereck unterrichten. Es war zwar ziemlich ungepflegt, aber es würde gehen. Svenja hatte die Halle bekommen, so konnte Gunnar sofort sehen, wenn sie Hilfe brauchte. Und Monique ging auf die Ovalbahn.

Gunnar konnte schnell sehen, dass Svenja eine gute Hand für die Kinder besaß. Monique hatte ihm schon erzählt, wie gut Svenja letztens mit den Erwachsenen Anfängern klar gekommen war. Er lächelte vor sich hin, bis Ásta zu ihm kam.

„Wir können wirklich glücklich sein. Sie ist gut. Und sie kostet uns nicht viel.“

Ásta nickte. Svenja war ihr lieber als viele andere die auf dem Hof aufgetaucht waren. Sie war die erste, die ihrem Mann keine schönen Augen machte. Stattdessen, sah es so aus, als ob Geiry endlich die Richtige gefunden hatte.

„Ja, wir können wirklich froh sein, dass sie zu uns gehört“, antwortete sie.

Gunnar küsste sie, dann sahen sie schweigend in die Halle runter.

Svenja brachte die Stunde ohne Schwierigkeiten hinter sich, so wie es alle erwartet hatten. Im Stall ermahnte sie die Kinder sich ordentlich um die Pferde zu kümmern, dann holte sie sich die Mistgabel und nahm sich die letzte Box vor. Wenn die sauber wäre, dann wollte sie noch mal nach den Pferden sehen.

Geiry hatte gehofft sie im Stall zu treffen und sie noch ein paar Minuten für sich zu haben. Aber als er in den Stall kam, stellte er enttäuscht fest, dass sie nicht dort war.

„Suchst du jemanden, Geiry?“ fragte Monique grinsend.

„Nein, warum?“ er stellte sich dumm.

„Ich dachte du wolltest noch mal nach Svenja sehen?“ Wieder grinste Monique ihn an.

„Was du immer denkst. Ich wollte nur nach den Pferden sehen und jetzt gehe ich nach oben“, kopfschüttelnd stapfte er zum Ausgang.

Nachdenklich sah Monique ihm hinterher. Es wäre so schön, wenn das mit Geiry und Svenja klappen würde. Sie wäre bestimmt die richtige Frau für ihn. Monique nahm sich zusammen und ging zu Svenja. „Hi, ich bin gerade fertig geworden. Was liegt jetzt an?“ fragte sie fröhlich, als sie Monique im Hof traf

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Über skydla

Ich bin eigentlich eine ganz normale Frau, die gerne lacht, die arbeitet, die in einer festen Beziehung ist und 2 Kinder hat. Meinen richtigen Namen möchte ich aber dennoch nicht nennen, da ich Autorin von BDSM-Geschichten bin. Teilweise habe ich die Geschichten selbst erlebt, teilweise entstammen sie aus meiner Fantasie und teilweise sind es Szenen, die da einfach hingehören *smile. Ich bin offen für vieles, bei weitem nicht für alles und bin auch sehr komunikativ! Also wenn wer was wissen will.....einfach fragen.
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