Ein weiterer Einblick in „Liebe, Stolz und andere Schwierigkeiten“

Und weil das Wetter heute so grottenschlecht ist, ich mich gleich wieder mit einem Buch verzupfe und überhaupt, gibt es heute einen weiteren Teil von „Liebe, Stolz und andere Schwierigkeiten“ zu lesen. Hoffe mal es gefällt Euch und vertreibt ein wenig die Schlecht-Wetter-Stimmung.

Schnell schlich Jack die Treppe herauf und hörte sie nach etwas suchen. Scheinbar fühlte sie sich sicher, denn sie machte einen solchen Krach, dass er auch mit einer ganzen Hammelherde die Treppe heraufkommen könnte, ohne von ihr bemerkt zu werden. Dann hörte er sie leise fluchen und kurz darauf schnappte ein Schloss auf.

Wie erwartet fand er sie in einem Büro, wo sie gerade einen Aktenkoffer aus einem Schrank zog. Er stellte sich in die Tür und machte das Licht an.

Erschrocken schrie sie auf. Durch das plötzliche Licht konnte sie nicht sehen, wer da in der Tür stand, aber sie spürte, dass es nicht Rock Aaroon war. Damit war die Auswahl begrenzt.

Sofort war Jack  bei ihr und packte sie grob am Arm.

„Du hast das Recht zu schweigen..”, begann er.

Verlegen suchte sie seinen Blick. Seine Augen waren kalt und sie suchte vergeblich das leichte ironische Lächeln in seinem Gesicht.

„Ich bin es, Vivian. Du brauchst mir die Rechte nicht vorzulesen“, sagte sie leise. Langsam bekam sie Angst vor ihm und fröstelte. Im Moment war sie sich nicht so sicher, wen sie mehr fürchten musste, Rock oder Jack. Beide hatten sich in der letzten Stunde ziemlich verändert. Bei Rock tippte sie auf Drogen, aber was war nur mit Jack los? Als ihr diese Frage durch den Kopf ging, konnte sie das Zittern nicht mehr unterdrücken. Bittend sah  sie zu ihm auf. „Bitte gib mir eine Chance. Ich werde dir alles erklären können.”

Doch er hörte ihr überhaupt nicht zu. Ungerührt sprach er weiter und legte ihr Handschellen an, ohne auf ihren verzweifelten Ton einzugehen. Dann nahm er ihr den Koffer ab und brachte sie zu seinem Auto.

„Was soll das? Ich bin’s. Bitte rede mit mir.” Sie versuchte durch diese undurchdringliche Maske zu sehen, doch er setzte sie auf den Rücksitz, ohne ihr weitere Beachtung zu schenken.

Verzweifelt versuchte sie einen Grund für sein Verhalten zu finden und um nicht wieder in seine kalten Augen sehen zu müssen, senkte sie den Kopf. War er vielleicht sauer, dass sie ihn ausgetrickst hatte? Aber dann würde er es ihr sagen und ihr in jedem Fall zuhören. Vielleicht hatte er die sanfte Masche auch nur gespielt. Das konnte nicht sein, denn dann hätte er sie direkt zur Wache gebracht und nicht erst mit zu sich genommen. Sie fand keine Erklärung für sein Verhalten.

Seine Kollegen suchten noch die Gegend ab, aber sie fanden von Aaroon keine Spur mehr.

Aaroon hatte das Licht in der Apotheke gesehen und war sofort gefahren.

„Scheiße, ich mochte das Mädel wirklich gerne. Jetzt seht zu, dass sie nicht quatscht”, sagte er zu seinen Männern. Damit war ihr Todesurteil besiegelt.

Die Fahrt zur Wache verlief in eisigem Schweigen. Die ganze Zeit starrte Jack  auf die Fahrbahn. Absichtlich vermied er jeden Blickkontakt mit Vivian.

Zitternd ließ sie sich tiefer in den Sitz gleiten. Natürlich fürchtete sie sich vor dem Gefängnis und auch vor Jack. Sie hatte geglaubt, dass er ihr helfen würde. Ja, sie hatte sogar geglaubt, dass er vielleicht sogar ihr Freund werden könnte. Aber warum war er jetzt so kalt zu ihr?  Es war als ob sie bei  einem Eisblock sitzen würde. Hatte sie sich denn wirklich nur eingebildet, dass es mehr zwischen ihnen gab? Ratlos seufzte sie.

Jack parkte den Wagen. Auf keinen Fall würde er sich wieder von ihr austricksen lassen. Für ihn stand es fest, dass sie freiwillig für Aaroon gearbeitet hatte. Warum war sie sonst alleine dort gewesen?

Noch mal sah sie ihn bittend von der Seite an, aber er reagierte nicht. Ihr traten die Tränen in die Augen.

„Das kannst du dir jetzt sparen. Ich falle nicht mehr auf dich herein”, sagte er kalt.

„Bitte, Jack, was ist bloß los mit dir? Vor einigen Tagen hast du versprochen, dass du mir helfen würdest. Wieso bist du jetzt so?” fragte sie verzweifelt.

Doch er zog sie ohne eine Antwort aus dem Wagen und brachte sie erstmal zu einer Zelle. Er wollte sofort wieder gehen, aber sie hielt ihn zurück.

„Ich muss mit dir reden. Ich will nicht so enden, wie Jo und das werde ich hier drinnen“, bat sie flehend.

Endlich sah er sie an und ihr liefen die Tränen über die Wangen. Unfähig ihre Nerven unter Kontrolle zu bringen, senkte sie den Kopf. Zuviel war in den letzten Tagen auf sie eingestürmt. Außerdem musste sie sich eingestehen, dass es ihr wehtat von ihm so behandelt zu werden.

„Du wirst nachher genug Zeit haben mit mir zu reden. Diese Zelle kann ich von meinem Schreibtisch aus genau beobachten. Ich werde die Zwischentür auf lassen.” Damit drehte er sich um und ging.

Vivian atmete auf. Sie würde eine Chance bekommen. Hoffentlich konnte sie ihn auch überzeugen.

Charlie hatte die Szene mit angesehen und rief Jack in sein Büro.

„Meinst du nicht, dass du etwas zu hart mit ihr bist? Sieh sie dir mal genau an. Sie hat verdammt große Angst.”

Gleichgültig zuckte Jack mit den Schultern. „Die hat sie auch zu Recht. In dem Koffer waren fast drei Kilo Heroin und fast zwei Kilo Kokain. Da hätte ich auch Angst. Aaroon wird es ihr nicht verzeihen, dass sie sich hat fangen lassen.”

Missbilligend schüttelte sein Chef den Kopf. „Du verurteilst sie, ohne mit ihr gesprochen zu haben. Vielleicht hat sie eine Erklärung.”

Jack schaute angestrengt aus dem Fenster. „Wir haben sie alleine aufgegriffen. Sie arbeitet freiwillig für Aaroon und hat mit mir nur ein Spielchen gespielt.” In ihm brodelte es. Er konnte sich nur mit äußerster Kraft zurück halten. Wieso hatte sie ihm das angetan?

Sein Boss packte ihn an den Schultern und drehte ihn zu sich um. „Bitte, gib ihr eine Chance. Ich glaube nicht, dass sie wirklich wusste was sie tat.”

Spöttisch zog er spöttisch die Augenbrauen hoch. Zu gerne hätte er Charlie geglaubt, aber er wollte sich nicht von einer Frau verletzen lassen. Wenn er jetzt auch nur ein Gefühl für sie zuließ, würde er es nie verkraften, wenn sich herausstellte, dass er Recht hatte. „Also gut, ich werde sie jetzt verhören, dann werden wir ja sehen”, sagte er und ging ohne weiter auf Charlie zu hören.

Wortlos holte er sie aus der Zelle und schob sie vor sich her zu einem der Büros. Zuerst schloss er ihre Handschellen auf.

„Danke”, sagte sie leise.

„Setz dich und sieh mich nicht so an. Ich stehe nicht auf deiner Seite. Ich habe für Drogenhändler kein Verständnis”, schnauzte er sie an.

Zitternd gehorchte sie ihm. Dann nahm sie ihren Mut zusammen und fing mit ihrer Erklärung an. „Ich weiß nicht wovon du redest. Ich habe mit Drogen noch nie etwas zu tun gehabt. Die Fingerabdrücke auf dem Beutel, dass war eine Falle für mich.”

Gelangweilt sah er zur Tür. „Versuch erst gar nicht mich anzulügen. Ich kenne dich besser als du denkst.”

Langsam wurde sie sauer. Er gab ihr ja nicht mal eine Chance. Wahrscheinlich würde er ihr gleich nicht mehr zuhören. Da war es schon besser, wenn sie nichts sagte und Rock somit eine Gelegenheit gab, sie für loyal zu halten und hier heraus zu holen. Ihre Angst steigerte sich zu Wut und sie wusste nicht wie lange sie den Mund halten konnte. Aber im Moment hatte sie sich noch unter Kontrolle. Also schwieg sie verbissen.

„Was hast du mit dem Tod von Lilo zu tun?” fragte Jack plötzlich.

Entsetzt sah sie ihn an. Glaubte er wirklich, dass sie etwas damit zutun hatte?

„Nichts. Ich habe nichts damit zu tun, verdammt. Ich bin selbst in eine Falle gelockt worden, du verdammter Bulle“, schrie sie, nicht länger Herr ihrer Nerven.

Wütend schlug er auf den Tisch. „Was glaubst du, wer du bist? Hör sofort auf hier herum zu schreien.”

Sein Gesicht färbte sich rot vor Zorn und Vivian bekam echte Angst vor ihm. Sie war sich nicht so sicher wer gefährlicher war Jack oder Aaroon.

Bösartig starrte er sie an. „War es nicht so, dass Lilo den Stoff bei dir gefunden hat und du hast Rock gebeten dir zu helfen? Jo hat dann den Auftrag  bekommen sie auf Seite zu schaffen. Aber leider sind wir ihm dazwischen gekommen, so dass er keine Zeit mehr hatte den Beutel an sich zu nehmen. Weil er versagt hat, habt ihr beschlossen auch ihn zu töten. War es nicht so?” schrie er und zwang sie ihn anzusehen.

Vivian brach in Tränen aus. Die ganze Zeit hatte sie so unter Strom gestanden und gehofft, dass jetzt alles gut werden würde. „Nein ich mochte Lilo. Sie war immer für mich da und ich hätte ihr nie etwas tun können“, wehrte sie sich verzweifelt. Dann brach sie in Tränen aus. Ihr ganzer Körper schüttelte sich und sie konnte nicht aufhören.

„Meinst du ich falle jetzt auf eine solche Show herein? Wie wäre es endlich mal mit der Wahrheit, Miss Tailer?” fragte er hämisch.

Ungläubig, dass er ihr den Mord an Lilo zutraute, schüttelte sie den Kopf. Dann schluckte sie die Tränen hinunter, jetzt siegt ihr Jähzorn und sie schrie ihn an. „Mir reicht es jetzt, Jack Nash. Du bist dümmer als die Polizei erlaubt. Meinst du wirklich ich hätte meine einzige Freundin umbringen können? Für einen Mann, der mich anekelt?” Ihre Stimme überschlug sich und sie weinte wieder, so dass sie nicht mehr weiter sprechen konnte.

Damit hatte er nicht gerechnet und er schwieg verdutzt.  Plötzlich dämmerte ihm, dass er zu weit gegangen war und sie kein Theater spielte. Er stellte sich neben sie und zog sie in seine Arme.

„Komm her Kleines, ich habe es nicht so gemeint. Es wird alles gut“, versprach er leise und strich ihr über den Kopf. Jetzt tat es ihm fast leid, dass er sie so hart rangenommen hatte, aber er hatte keine andere Möglichkeit gesehen.

Sie versuchte sich zu beruhigen, aber erst nach einer Weile konnte sie aufhören zu weinen.

Verlegen rückte sie etwas von ihm ab. „Was ist nur mit dir los? Du behandelst mich wie einen Schwerverbrecher.” Ihre verheulten Augen sahen zu ihm auf.

„Bist du etwa keiner? Du wirst wegen Drogenhandel und Einbruch gesucht. Weißt du  in welche Lage du dich gebracht hast?” fragte er heftiger als er wollte.

Verletzt zuckte sie zusammen. Um seine Fassung ringend rannte er in dem kleinen Raum auf und ab.

„Bitte, erzähl mir was du weißt und ich werde versuchen dir zu glauben und dich zu schützen“, sagte er genervt.

Einen Moment lang schwieg sie. „Nein, ich werde nichts sagen. Du glaubst mir ja doch nicht. Außerdem habe ich keine Lust von Aaroon umgebracht zu werden“.

Jetzt spielte sie schon wieder mit ihm, er glaubte verrückt zu werden. „Aaroon wird dich auch ohne Aussage umbringen. Du hast nur diese eine Chance, in dem du mir vertraust“, betonte er noch mal.

„Ich sage ohne einen Anwalt kein Wort mehr.” Herausfordernd hielt sie seinem gereizten Blick stand.

„Okay, dann bleibst du hier sitzen bis du vom Stuhl fällst.”

Wütend starrte er sie an, verließ den Raum und knallte die Tür hinter sich zu. Vivian zuckte zusammen. Jetzt wusste sie wirklich nicht mehr weiter. Was sollte sie tun? Wenn sie ihm vertraute, dann war sie bestimmt bald tot, Außerdem wollte er ihr ja gar nicht glauben.

„Ich drehe ihr den kleinen Hals um, wenn sie weiter ihre Spielchen mit mir treibt“, sagte er zu Charlie.

„Du weißt, dass es wahr sein könnte, dass sie in eine Falle gelockt wurde. Warum rastest du nur bei jeder Kleinigkeit so aus?” Charlie wusste es genau, Jack war hin und hergerissen. So gerne wollte er ihr glauben, aber er hatte Angst sich in ihr zu täuschen.

„Soll ich jetzt jeder kleinen Diebin glauben, die mir etwas vorheult?” schnaubte er. Seine Wut war immer noch nicht abgeebbt. Warum hatte sie sich nur in eine so gefährliche Situation gebracht?

„Nein, natürlich nicht, aber du solltest mehr auf deinen Instinkt vertrauen und deine Taktik ändern“, antwortete Charlie ihm ruhig. 

Es war richtig, er musste sich unbedingt wieder unter Kontrolle bekommen und nicht bei jeder Gelegenheit los schreien. „Ich werde mich draußen etwas abkühlen und dann versuche ich es noch einmal mit ihr.”

Grinsend sah Charlie ihm hinter her. Er war überzeugt, dass Vivian nicht freiwillig zu Aaroon gehörte, aber er war ja auch nicht eifersüchtig.

Jack rannte die Strasse entlang, als ob der Teufel hinter ihm her wäre. Immer wieder sah er Vivian mit Rock Aaroon zusammen und er konnte den Schmerz, den dieses Bild verursachte, nicht ignorieren. Auf der Wache konnte er sie auch schlecht fragen, ob sie etwas mit Rock hatte.

„Streich sie aus deinen Gedanken. Sie spielt mit dir, mehr nicht“, sagte er sich immer wieder.

Aber er wollte sie nicht verlieren. Es war die erste Frau in seinem Leben, die ihn so fesselte.

Natürlich hatte er Liebschaften gehabt, aber keine war von Dauer gewesen. Nach kurzer Zeit hatte er einfach die Nase voll gehabt von diesen verwöhnten Gören.

Doch Vivian war anders. Er spürte es, wenn er ihr ins Gesicht sah. Er spürte es, wenn er mit ihr redete oder sie einfach nur beobachtete. Auf keinen Fall würde er es zulassen, dass ihr etwas passierte. Eine Weile konnte er sie noch in der Wache behalten was dann kam, wusste er nicht. Aber er wusste, dass sie ihn nicht belogen hatte, als sie ihn bat sie nicht alleine in der Zelle zu lassen. Rock würde in kürzester Zeit versuchen sie zum Schweigen zu bringen.

Langsam beruhigte er sich und fühlte sich wieder stark genug, um mit ihr zu reden. Also besorgte er ein Sandwich und ging zu dem Büro zurück. 

Vivian sah nicht mal auf. Sie wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Entweder sie würde Rock überzeugen können, oder bald tot sein.

„Hier, ich habe dir was zu essen mitgebracht,” sagte er unfreundlich und gab ihr das Sandwich.

Sie ließ es liegen und ignorierte ihn.

„Was ist los mit dir?” fragte er. „Du machst deine Lage nur schlimmer. Wenn du eine Aussage machst, können wir Rock Aaroon noch heute Nachmittag festnehmen und dich ins Zeugenschutzprogramm aufnehmen.”

Um ihre Beherrschung nicht zu verlieren sah sie aus dem Fenster. Sie kannte dieses Programm, denn einige Daten daraus lagen bei Aaroon im Büro. Er hatte es ihr gezeigt, um ihr zu beweisen, dass er sie überall finden würde.

„Klar, Bulle und spätestens morgen bin ich tot, aber das interessiert dich ja nicht mal”, sagte sie spöttisch.

Jack überlegte kurz. „Du weißt etwas über dieses Programm, oder?”

Gleichgültig zuckte sie mit den Schultern. „Ich weiß nichts, ich sage nichts und du kannst mich mal.”

„Du hast mir also doch etwas vorgespielt, so dass ich dachte…” Gequält brach er ab, denn so weit konnte er sich nicht demütigen lassen, dass er ihr gestand, dass er sie mochte. Mehr noch, dass er sich eingebildet hatte, sie hätten eine gemeinsame Zukunft.

Hoffnungsvoll horchte sie auf. „Dass du was dachtest?” Jetzt klang sie ganz anders als noch vor ein paar Minuten. Ihre Stimme drückte ihre wahren Gefühle aus. Vielleicht sagte er ihr endlich, dass er zu ihr hielt und sie nicht nur ein Fall für ihn war. Für einen kurzen Moment ließ sie die Mauer aus Angst, Unsicherheit und Wut fallen.

„Ach nichts, wir sollten lieber beim Thema bleiben“, blockte er unwirsch ab. Sein Misstrauen saß zu tief.

Als er wieder durch den kleinen Raum ging, bemerkte er, dass sie fröstelte.

„Nicht gerade warm, das Ding das du anhast, oder?” fragte er beiläufig.

Sie erwiderte nichts. Das Letzte was sie jetzt brauchen konnte war sein Mitleid.

Einen Moment lang sah er auf sie herunter, dann zog sie wieder frierend die Schultern zusammen. Wortlos verließ er den Raum.

Vivian war verunsichert. Was sollte sie tun? Je mehr sie ihre Unschuld beteuerte, desto fester war er von ihrer Schuld überzeugt. Und wenn sie ihn um Hilfe bat, dann wurde er abweisend. Angestrengt überlegte sie, was er vorhin hatte sagen wollen. Vielleicht fühlte er genauso, wie sie. Doch dann schüttelte sie wieder den Kopf. Sie wollte sich keinen Träumereien hingeben.

Nach einer kleinen Weile kam er mit zwei Tassen Kaffee zurück. Eine davon stellte er vor sie hin.

„Wärm dich wenigstens auf. Ich werde dir morgen deine Sachen mitbringen, die du bei mir vergessen hast“, sagte er mit mehr Wärme in der Stimme, als er geplant hatte.

Zögernd nahm sie den Kaffee und trank ihn langsam. Ihr war ziemlich kalt, aber  auch das würde sie nicht zugeben.

„Okay, was kannst du mir über den Aktenkoffer, aus der Apotheke, sagen?” fragte er plötzlich.

„Nur, dass Geld darin war und dass Rock darauf wartet“, antwortete sie ohne zu Zögern.

Also ging das Spielchen weiter. Seine Wut unterdrückend fragte er weiter.

„Was war sonst noch in dem Koffer?”

Müde hob sie die Schultern. „Nichts, soweit ich weiß.”

Wütend schlug Jack auf die Tischplatte vor ihr. „Vivian, du hast ausgespielt. Du kannst es dir jetzt nur noch leichter machen, in dem du mir erzählst, was du weist. Wenn du auf stur stellst, dann wirst du aus dem Knast nicht mehr herauskommen. Wir wissen sowie so was du dort geholt hast, Herrgott noch mal”, schrie er los. „Du hast keine Wahl, also erzähl mir endlich was du weißt. Rock Aaroon kann dich nicht am Leben lassen, versteh es endlich.“

Erschrocken zuckte sie zusammen. „Kannst du vielleicht aufhören mich ständig anzuschreien. Ich höre noch gut.“

Einen Augenblick schloss sie die Augen und überlegte. Er hatte Recht, Rock Aaroon würde ihr nicht mal zuhören, wenn er sie in die Finger bekäme. Sie hatte keine Zukunft mehr, spätestens im Hauptgefängnis würde sie sterben, denn dort hatte Rock mehr Verbindungen als man sich vorstellen konnte. Irgendwie musste sie es schaffen hier raus zu kommen.

Vivian schluckte und sah Jack ruhig an. „Ich werde in Kürze tot sein. Also warum sollte ich versuchen dir etwas zu erklären. Du glaubst mir ja doch nicht.”

Irritiert musterte er sie, doch sie war ganz ruhig. „Wovon sprichst du? Glaubst du wirklich ich, ähm wir würden es zulassen, dass du umgebracht wirst?” fragte er heftig.

Sein Versprecher hatte ihr mehr verraten, als alles andere. Lächelnd senkte sie den Blick.

„Du kannst es nicht verhindern. Ich habe mich damit abgefunden. Also lass es gut sein Jack. Ich bin froh, dass ich dich gekannt habe.” Sie hoffte, dass sie ihn so in die Irre führen konnte. Ihr tat nur leid, dass sie jetzt keine Chance hatte ihn richtig kennenzulernen.

Schweigend beobachtete er sie eine Zeitlang und es sah so aus, als ob sie es verdammt ernst meinte. Anscheinend hatte sie wirklich mit ihrem Leben abgeschlossen. Aber das konnte doch nicht sein. Sie war gerade mal 18 Jahre alt.

„Komm hör auf solche Schauermärchen zu erzählen. Was versuchst du damit zu erreichen?” fragte er, doch dieses Mal blieb er ruhig.

In Gedanken schien sie weit weg zu sein. Ihre Stimme war gedankenverloren. „Ich wollte nicht, dass es so kommt, aber vielleicht ist es meine Strafe. Manche Menschen bekommen keine zweite Chance. Das hast du mir eben bewiesen, Jack.”

Müde sah er auf die Uhr. Es war schon 6.00 Uhr.

„Was hältst du davon, wenn wir für heute Schluss machen und ich sehe dich dann heute Abend, okay?” fragte er gähnend.

Vivian reagierte nicht. Widerstandslos ließ sie sich in die Zelle bringen und legte sich sofort auf die schmale Pritsche.

Jack kam herein und deckte sie zu.

„Ich werde auf dich aufpassen. Ich habe es dir versprochen”, flüsterte er leise.

„Charlie würdest du bitte dafür sorgen, dass diese Zelle rund um die Uhr bewacht wird?” rief er seinem Vorgesetzten zu.

Dieser nickte. „Das habe ich schon, denn ich möchte auch keinen zweiten Zeugen verlieren.”

Verstohlen lächelte sie in sich hinein. Jetzt war klar, dass sie ihre zweite Chance bekäme und sie würde Jack dazu bringen sie frei zu lassen. Wenn sie Rocks Männern entkommen konnte, dann hatte sie eine echte Chance auf eine normale Zukunft. Sie würde sich eine Arbeit suchen und in ein paar Jahren könnte sie ihn anrufen und sich mit ihm treffen. Dann würden sie sich wirklich kennenlernen können, ohne Vorurteile oder Mitleid.

Doch ihr kroch wieder die Angst den Rücken herauf, dass Aaroon sie vorher erwischen könnte. Denn dann war alles aus.

Auch Jack lächelte, als er aus dem Revier ging. Sie hatte sich nicht verändert, er hatte es nur nicht gesehen.

Dieses Mal schlief er tief und fest, ohne einen einzigen Albtraum.

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Über skydla

Ich bin eigentlich eine ganz normale Frau, die gerne lacht, die arbeitet, die in einer festen Beziehung ist und 2 Kinder hat. Meinen richtigen Namen möchte ich aber dennoch nicht nennen, da ich Autorin von BDSM-Geschichten bin. Teilweise habe ich die Geschichten selbst erlebt, teilweise entstammen sie aus meiner Fantasie und teilweise sind es Szenen, die da einfach hingehören *smile. Ich bin offen für vieles, bei weitem nicht für alles und bin auch sehr komunikativ! Also wenn wer was wissen will.....einfach fragen.
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